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Aktualisierung am 13.08.10
| Kollagenose APS
APS
= Anti-Phospholid-Syndrom (auch Hughes-Stovin-Syndrom genannt, nach dem Arzt der
als erster bestimmte Antikörper bei Lupus-Patienten mit verlängerter
Gerinnungszeit entdeckte) ist eine Kollagenose (syst.-entzündliche Autoimmunerkrankung),
die als primäre Erkrankung auftritt oder als Sekundär-Erkrankung, also
als "Zweiterkrankung" neben rheumatisch-entzündlichen Erkrankungen,
wie anderen Kollagenosen, meist SLE oder Vaskulitiden. Doch
was passiert eigentlich in unseren Körpern? Wie beim Lupus produziert
auch hier der Körper Antikörper die sich gegen Bestandteile des Körpers
richten, im Falle von APS sogenannte Phospholid-Antikörper und/oder
Lupus-Antikoagulans. Diese führen zu einer erhöhten Neigung zu Thrombosen
(Blutgerinnsel, die die Adern verstopfen). Es gibt drei Verlaufsformen, die zu
unterschiedlichen Symptomen führen.
Bei der arteriellen Form sind die Arterien betroffen, d. h. die Adern, die das
sauerstoffreiche Blut vom Herzen zu den Organen bringen. Hierbei kann es zu Verstopfungen
der Adern und Infarkten kommen. Arterielle
Thrombosen entstehen am häufigsten in den Arterien des Gehirns, aber auch
in den Herzkranzgefäßen, den Nierenarterien und den Arterien, die den
Darm versorgen. Bei einer Beteiligung des Herzens kann es zu Veränderungen
an den Herzklappen kommen, vor allem an der sogenannten Mitralklappe und der Aortenklappe.
Daraus kann auch eine unzureichende Klappenfunktion und eine Schwächung der
linken Herzhälfte resultieren. Eine Nierenbeteiligung kann sich in einer
Einschränkuung der Nierenfunktion, in der Entwicklung eines sogenannten nierenbedingten
Bluthochdrucks ("renale Hypertonie") oder in einer vermehrten Ausscheidung
von Eiweiß durch die Niere äußern (sogenannte Proteinurie). Bei
der venösen Form sind - genau - die Venen betroffen, d. h. die Adern, die
für den Transport des Blutes zurück zum Herzen zuständig sind.
Verstopfungen der Venen werden Thrombosen genannt. Die venösen Thrombosen
treten in erster Linie an den Beinen, seltener an den Armen auf, desweiteren in
den Nieren, der Leber und den Augenvenen. Sie gehen bei etwa einem Drittel der
Patienten mit Lungenembolien einher und können in der Folge auch zu Hochdruck
im Lungenkreislauf ("pulmonale Hypertonie"), einer Belastung der rechten
Herzhälfte und zunehmender Schwäche des rechten Herzens ("cor pulmonale")
führen. Die dritte Form schliesslich betrifft alle Arten von Gefässen
und kann somit zu Verschlüssen von Arterien und Venen führen. Aber
nicht jeder APS-Patient ist von Thrombosen betroffen, in Studien ist von 9 % -
30 % der Patienten die Rede. Ebenfalls den Studien zufolge erhöht sich das
Risiko der thrombotischen Komplikationen mit der Höhe der Antikörper.
Bei Patienten mit hohen Antikörperspiegeln ist das Risiko für thrombotische
Komplikationen danach etwa doppelt so hoch wie bei Patienten mit niedrigen Antikörperspiegeln.
Warum einzelne Patienten symptomfrei bleiben, während andere Symptome
zeigen ist noch nicht geklärt.
Als mögliche
Symptome sind zu nennen: Migräne Thrombozytopenie
(zuwenig Thrombozyten -> Blutplättchen im Blut) Thrombosen (s. oben) Embolien Schlaganfälle TIA
(transitorisch-ischämische Attacken) = vorübergehende Durchblutungsstörungen
des Hirns Sehstörungen Epilepsie erhöhte Neigung zu Fehlgeburten diffuse
neurologische Symptome Livedo reticularis (ringförmige Verfärbungen
der Haut infolge von Entzündungen der Blutgefässe) Raynaud-Syndrom hämolytische
Anämie (Blutarmut infolge beschleunigten Erythrozyten-Abbaus) Bluthochdruck Einblutungen
unter Finger- oder Zehennägeln Thrombophlebitis WICHTIG!!! Das
Anti-Phospholipid-Syndrom ist eine häufige Ursache von Schlaganfällen
bei jungen Patienten. Immer, wenn ein Patient unter 45 Jahren einen Schlaganfall
erleidet, ohne daß ansonsten irgendwelche Risikofaktoren wie stark erhöhter
Blutdruck oder eine schwere Fettstoffwechselstörung vorliegen, sollte an
ein Anti-Phospholipid-Syndrom gedacht werden.
Diagnosemöglichkeiten Labor:
erhöhter PTT-Wert APL-Antikörper
(IgG und IgM-Kardiolipin-Antikörper) Lupus-Antikoagulant-Nachweis Achtung
- FALSCH-positiver Syphilis- oder Wassermann-Test (der Labortest zur Erkennung
von Syphilis besteht aus einem chemischen Stoff, dem ein Phospholid beigefügt
wird, auf welches die Antikörper im Blut von Lupus-Patienten empfindlich
sind und reagiert deshalb positiv) Die Antikörper müssen nicht zwingend
ständig messbar sein, mitunter steigen sie auch nur im Rahmen von Infekten
oder Schüben auf messbare Werte, deshalb sollten im APS-Verdachtsfall die
Antikörpertests im Abstand von 2 - 3 Monaten wiederholt werden.
Klinischer Nachweis: Entweder eine oder mehrere venöse oder arterielle Thrombose Schwangerschaftskomplikationen Thrombosen
der kleinen Gefässe
Therapie
des Anti-Phospholipid-Syndroms Der reine Nachweis von Antikörper
ist nicht therapiebedürftig, da die Mehrzahl der Patienten beschwerdefrei
bleibt. In diesen Fällen sollten regelmässige Antikörper-Kontrollen
stattfinden, um zu sehen, ob die Werte ansteigen und somit ein höheres Thrombose-Risiko
besteht.
Liegt
ein APS mit klinischen und laborchemischen Symptomen vor, unterscheidet sich die
Therapie zwischen primärem und sekundärem APS. primäres APS Ziel
der Therapie - Verhinderung weiterer Thrombosen sekundäres APS Ziel
der Therapie - Behandlung der Grunderkrankung (z. B. Lupus) UND Verhinderung weiterer
Thrombosen Die Therapie der Grunderkrankung ist z. B. hier
nachzulesen. Eine
antithrombotische Therapie erfolgt mit
- Acetylsalicylsäure
(z. B. Aspirin®)
- Antikoagulanzien
(z. B. Marcumar®, Heparin, Falithrom®)
- oder
z. B. in der Schwangerschaft auch mit Plasmapharese und Immunglobulinen
Eine
blutverdünnende Therapie kann Thrombosen zuverlässig verhindern, beinhaltet
aber das Risiko einer erhöhten Blutungsneigung. Schon allein deshalb gehört
die Behandlung und Entscheidung über eine solche Therapie in verantwortungsvolle
medizinische Hände und in die gutinformierter Patienten.
Schwangerschaft
und Anti-Phospholipid-Syndrom Patientinnen mit einem gesicherten Anti-Phospholipid-Syndrom
haben ein höheres Risiko, eine Fehlgeburt zu erleiden. Diese Komplikation
tritt gehäuft am Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels und im zweiten
Schwangerschaftsdrittel auf. Der Nachweis eines Anti-Phospholipid-Antikörpers
im Blut allein ist noch nicht gleichbedeutend mit einer zu erwartenden Fehlgeburt.
Mehr als 50% aller Frauen mit einem Anti-Phospholipid-Antikörper, die zum
ersten Mal schwanger werden, beenden die Schwangerschaft ohne Probleme und gebären
ein gesundes Kind. Ausführliche
Infos hier.
Unter
Links findet Ihr ein Rubrik zum
Thema APS, dort gibt es auch einen Link mit weiteren Informationen zum Thema APS
und Schwangerschaft. ^nach
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