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Aktualisierung am 13.08.10
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CortisonUnter
den Namen Cortison fallen viele verschiedene Wirkstoffe, z. B. Prednison,
Prednisolon, Dexamethason, Methylprednisolon, Prednisolon-hydrogensuccinat,
Betamethason, Fluocortolon. Die
Beipackzettel zu Medikamenten mit den verschiedenen Wirkstoffen könnt Ihr
in Online-Versionen der Roten oder Gelben Liste (Medikamenten-Verzeichnisse) nachlesen,
z. B. unter www.klassifix.de. Cortison
(auch Steroide, Gluco-Corticoide oder Corticosteroide genannt) ist im eigentlichen
Sinn kein Medikament, sondern ein Hormon, das in jedem Körper vorkommt. Für
cortisonhaltige Medikamente wird dieses Hormon künstlich hergestellt. Cortisongaben
können Entzündungen jedweder Art im Körper hemmen und Überreaktionen
des Immunssystems unterdrücken. Die
Einnahme von Cortison ist für viele Patienten immer noch mit einer grossen
Hemmschwelle verbunden, da viele Gerüchte und Halbwahrheiten über Neben-
und Wechselwirkungen von Cortison kursieren. Natürlich gibt es Nebenwirkungen,
man sollte aber wissen, dass Cortison seit fast 50 Jahren eingesetzt wird und
sich durch Forschung und Erfahrung die Risiken minimiert haben. Körpereigenes
Cortison Cortison hat im Organismus sehr viele verschiedene Funktionen,
zu den wichtigsten zählt die Stressbewältigung. In Stressphasen wird
eine grössere Menge Cortison produziert und ausgeschüttet, dadurch werden
die Funktionen zur Stressbewältigung aktiviert. Ausserdem beeinflusst es
den Eiweiss-, Fett- und Zuckerstoffwechsel, den Knochenstoffwechsel und auch den
Elektolyt-Wasserhaushalt imd die Bildung einiger Blutzellen. Die Steuerung der
Cortisonproduktion erfolgt über die Hirnanhangsdrüse und andere Hormone,
das Cortison selbst wird in der Nebennierenrinde gebildet. Wird im Körper
kein oder nicht mehr ausreichend Cortison gebildet, ist eine Cortisongabe unumgänglich. Cortisontherapie Um
weitere Wirkungen zu erzielen wird Cortion seit vielen Jahren höherdosiert,
als es im Körper vorkommt, eingesetzt. Die wichtigsten Wirkungen in der Medizin
sind Entzündungshemmung, die Unterdrückung immunologischer Reaktionen,
Reifung der Lunge bei Frühgeborenen, Beseitigung von Hirnoedemen u. a. Cortison
wirkt in diesen Fällen, indem es sich mit den Zellrezeptoren verbindet, in
den Zellkern eindringt und dort die Bildung von bestimmten Eiweissen auslöst.
Diese Eiweisse wirken dann unmittelbar und teilweise auch mittelbar entzündungshemmend.
Ausserdem verändert Cortison in hohen Dosen die Durchlässigkeit der
Zellmembran, wodurch die immunsuppremierende Wirkung verstärkt wird. Um
diese Wirkweisen hervorzurufen, wird Cortison in höheren Dosierungen gegeben,
als der Körper das Hormon bilden könnte. D. h. während der Behandlung
besteht ein Überschuss an Cortison im Körper, welcher nicht nur erwünschte
Wirkungen, sondern auch andere Auswirkungen hervorrufen kann. Dabei handelt es
sich aber nicht um Nebenwirkungen im eigentlich Sinn, sondern um Auswirkungen
eines längerfristig erhöhten Cortisonsspiegels im Blut, unabhängig
davon, ob die Ursache dieser Erhöhung die Gabe von Cortison von aussen ist
oder körperliche Ursachen hat. Diese Auswirkungen können zum Einen
das Cushing-Syndrom sein: Mondgesicht (rund und rot) Typische
Fettverteilung (großer Rumpf, dünne Arme und Beine) Büffelnacken
(Fettansammlung zwischen den Schultern) Gewichtszunahme Verringerte
Muskelmasse und -kraft Striae (Dehnungsstreifen der Haut) vermehrte Behaarung Kopf-
und Rückenschmerzen Akne Störung
des Kohlenhydratstoffwechsels mit Durst und häufigem Wasserlassen ähnlich
einem Diabetes Blutzuckeranstieg Blutfettanstieg Impotenz Aussetzen
der Menstruation Verstärkte
Neigung zu Knochenbrüchen Osteoporose Erhöhter
Blutdruck Wassereinlagerungen Neigung zu Infekten Augenverändeurngen
(grauer/grüner Star) Wachstumsstörungen
bei Kindern Eventuell
psychische Veränderungen Bei
Kindern: Kombination aus Wachstumsstörung und Fettleibigkeit
Zum
anderen kann ein erhöhter Cortison-Spiegel eine Nebennierenrinden-Insuffizienz
hervorrufen. Da der Körper durch die ständige Cortisongabe
keinen Grund zur Selbstbildung mehr sieht, ist die Nebennierenrinde nicht mehr
so aktiv. Bein längerer Inaktivität kann sie schrumpfen. Solange weiterhin
Cortison gegeben wird, hat die Insuffizienz keine Auswirkungen, wird die Behandlung
aber unterbrochen oder plötzlich beendet, kann die "träge"
gewordene Nebennierenrinde nicht so schnell die Produktion wieder aufnehmen. Darreichungsformen
Die gängiste Art der Cortisongabe ist die Einnahme von Tabletten, der
Wirkstoff wird über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen. Sind hohe Dosen
notwendig oder können Tabletten nicht geschluckt werden, wird Cortison per
intravenöser Injektion verabreicht. Intramuskuläre Injektionen (in
den Arm oder Podex) werden heute nicht mehr gemacht, da es zu heftigen Nebenwirkungen
kommen kann. Suppositorien werden eigentlich nur bei Kleinkindern benutzt,
die sich nicht iv spritzen lassen. Die Aufnahme des Wirkstoffes lässt sich
bei Zäpfchen-Gabe nicht sehr gut steuern. Und schliesslich gibt es noch
zahlreiche Formen der örtlichen Anwendung (Augentropfen, Salben, Gelenkspritzen
und Inhalationen).
Wo
und wie werden die verschiedenen Cortison-Arten eingesetzt? Cortisol Als
Substitionstherapie (Ersatztherapie) bei Nebennierenrinden-Insuffizienz Prednison
- Prednisolon u.a. Kurzwirksame Cortison, die hauptsächlich in der
Langzeittherapie eingesetzt werden Dexamethason Zur
Behandlung von Hirnoedemen, bei einigen Formen der Nebennieren-Überfunktion
und zur Vorbeugung und Therapie bei medikamenten-verursachtem Erbrechen (z. B.
Krebstherapie)
Dosierung Die
Dosierung richtet sich nicht nach den verschiedenen Erkrankungen/Diagnosen, sondern
individuell angepasst nach Schwere der Erkrankung und dem Patienten. Bei
akuten Erkrankungen ist die Behandlungsdauer kurz, bei chronischen Erkrankungen
ist meist eine langfristige Gabe notwendig. Diese wird mit hohen Dosen begonnen
und dann, nachdem sich die Symptome gebessert haben, langsam reduziert, bis die
kleinste wirksame Dosis gefunden ist.
Die
Höhe der Dosis am Beginn richtet sich nach Art und Schwere der Erkrankung,
es sind Gaben bis zu 1000 mg per Infusion, bis 250 mg intravenös und darunter
oral möglich.
Die Erhaltungsdosis kann bei einzelnen Patienten bis
zu 2 mg heruntergeschraubt werden. Die Reduktion erfolgt zunächst schneller
(5 - 10 mg alle 7 - 14 Tage), ist man bei 5 - 10 mg angekommen, wird die Reduktion
deutlich langsamer fortgesetzt 0,5 - 1 mg alle 1 - 2 Monate). Bei chronischen
Erkrankungen ist eine Langzeit gabe von 2 - 5 mg meist ausreichend. Bei Schüben,
wie z. B. bei Lupus kann es jedoch mehr oder weniger häufig passieren, dass
man erneut einen Stoss höher dosiertes Cortison einnehmen muss und dann mit
der Reduktion von Neuem beginnt.
Wird
die Cortisoneinnahme unterbrochen oder plötzlich beendet, kann es zum Cortison-Entzugssyndrom
kommen: Die Patienten fühlen sich elend, sind depressiv, haben Magen-Darm-Störungen
und klagen mitunter über ziehende Schmerzen in der Arm- und Beinmuskulatur.
Zeitpunkt
der Einnahme Grundsätzlich sollte Cortison frühmorgens (vor 8.00
*gähn*) eingenommen werden, da zu dieser Zeit auch der körpereigene
Cortisonspiegel ansteigt und somit der Körper am wenigsten irritiert wird. Bei
höheren Dosen kann eine Verteilung über den Tag nötig oder sinnvoll
sein, bei der Reduktion wird dann zunächst die abendliche Dosis, später
die mittagliche Gabe weggelassen. Desweiteren gibt es die Möglichkeit
der alternierenden Therapie (mit Unterbrechungen), z. B. jeden zweiten Tag. Bei
einigen Erkrankungen, sowie bei Kindern zur Vorbeugung von Wachstumshemmungen
ist das eine gute Möglichkeit, bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen,
wie bei SLE aber nicht gut umsetzbar, da die entzündungshemmende Wirkung
nach ca. 24 h aufhört. Wichtig
ist es jeden Arzt (auch den Zahnarzt) über die Cortison-Einnahme zu informieren,
da die Dosis in Stress-Situation u. U. hochgesetzt werden muss. Schwangerschaft Man
kann während der Schwangerschaft Cortison weiter einnehmen! Selbstverständlich
unter Rücksprache mit dem behandelnden Arzt und dem Gynäkologen. Eine
Erhaltungsdosis und örtliche Anwendungen sind unbedenklich und auch höhere
Dosen (wenn nötig) machbar. Beim Stillen gehen nur winzige Dosen in die Muttermilch
über, die keine Gefahr für das Kind bedeuten. Wer trotzdem ein schlechtes
Gefühl hat, sollte erst einige Stunden nach der letzten Cortisoneinnahme
stillen. Reisen Empfohlen
wird die Einnahme der Ortszeit anzupassen, also sofort morgens einnehmen.
Impfungen Impfungen
mit Lebendimpfstoffen dürfen wegen der verminderten Abwehrkräfte nicht
verabreicht werden. Impfungen mit Totimpfstoffen dürfen durchgeführt
werden, allerdings ist ab 10 mg Prednison/Tag die Antikörperbildung beeinträchtigt. Wechselwirkungen
Rifampicin (Tuberkulosemedikament), Hydantoine (Epilepsie) und Medikamente mit
Barbitursäure (Schlafmittel) können die Wirksamkeit von Cortison mindern.
Ist eine solche Kombination wirklich notwendig, muss die Cortisondosis angepasst
werden. Bei Hochdruckmedikamenten oder Entwässerungstabletten und
Abführmitteln kann der Kaliumverlust verstärkt werden. Entwässerungsmittel
können ausserdem (wie Cortison den Zuckerspiegel im Blut erhöhen). Cortison
und die gleichzeitige Einnahme von NSAR (Rheuma-Medikamenten) können Magenbeschwerden
bis hin zum Magengeschwür hervorrufen. 10
Gebote der Cortison-Therapie (aus Infobroschüre der Merck AG, zu bestellen
bei der unten genannten Webseite)
- Nicht
mehr, aber auch nicht weniger einnehmen als nötig bzw. vom Arzt verordnet
wurde.
- Für
eine Langzeitbehandlung sollte die Low-Dose-Therapie (Niedrigdosisbehandlung)
angestrebt werden. Das bedeutet eine Dosis von 5 oder weniger mg Prednison/Tag.
Diese Niedrigdosierung erreicht man nur durch immer kleiner werdende Abbauschritte
(zuletzt 1-1/2 mg Prednison) in immer größer werdenden Intervallen
(zuletzt nur alle 4-8 Wochen). Bei anderen Cortisonpräparaten gelten je nach
Wirkstärke höhere oder niedrigere Dosen.
- Die
gesamte Tagesdosis sollte morgens vor 8 Uhr (am besten mit etwas Milch oder Joghurt)
eingenommen werden.
Manche Krankheiten erfordern eine 2x tägliche Einnahme.
Dann sollten 2/3 der Tagesdosis morgens und 1/3 nachmittags eingenommen werden. Nur
selten ist eine abendliche Dosis nötig; in diesen Fällen sind besondere
Vorsichtsmaßnahmen notwendig - Niemals
eine Cortisonbehandlung ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt abbrechen.
- Eine
ausgeglichene Ernährung hilft, unerwünschte Wirkungen zu reduzieren.
Reichlich
Eiweiß, mindestens zur Hälfte tierischer Herkunft, bevorzugt Fisch
und magere Milchprodukte. So wenig Fett wie möglich, wobei etwa die Hälfte
aus mehrfach ungesättigten Fettsäuren bestehen soll: Pflanzenfette
und solche in Tiefseefischen. Zuckerverbrauch stark reduzieren; die nötigen
Kohlenhydrate sollten durch Getreideprodukte, bevorzugt Vollkorn, Kartoffeln und
Gemüse zugeführt werden. Kalziumzufuhr von mindestens 1g/Tag: Enthalten
in 1l Mager- oder Buttermilch bzw. in 900 g Magerjoghurt oder in entsprechender
Menge Magerkäse. Für reichliche Kaliumzufuhr sorgen: Obst, speziell
Kartoffeln, Gemüse, Bananen. So wenig Salz wie möglich verwenden,
alle pflanzlichen Gewürze sind erlaubt. Reichlich Vitamin C: Frisches
Obst und Salate. Kalorienüberschuß vermeiden: Regelmäßiges
Wiegen hilft das Gewicht zu überwachen. - Körperliche
Aktivität möglichst an der frischen Luft - so weit es die Krankheit
erlaubt.
- Regelmäßige
Kontrollen beim Arzt durchführen lassen.
- Bei
jeder Befindensänderung, fieberhaften Erkrankung oder bei Eintritt einer
Schwangerschaft den behandelnden Arzt sofort verständigen.
- Wenn
Sie einen Facharzt wegen einer anderen Erkrankung oder Störung aufsuchen
müssen, sollten Sie diesen von der laufenden Cortisontherapie verständigen.
Evtl. verordnete Medikamente darauf prüfen lassen, ob sie sich mit Cortison
vertragen.
- Corticoidausweis
bei sich führen.
www.medizinpartner.de/produkte/cortison/therapie Weitere
Informationen und Beantwortung konkreter Fragen unter: CIZ
Cortison-Informations-Zentrum (leider - noch - ohne Webseite) Telefonische
Beantwortung zu allen Fragen, die Cortison betreffen. Tel:
(069) 31 40 53 27 (Jeden Mittwoch von 13.00 - 17.00 Uhr) Schriftliche
Anfragen an: CIZ, Bolongarostr. 82, 65 929 Frankfurt/Main Über
das Cortison-Informations-Zentrum sind desweitern folgende Materialien erhältlich: Broschüre:
Leben mit Cortison Broschüre: Leben mit Cortison - Infothek für
Cortison-Patienten Cortison-Ausweis Faltblatt mit Adressen von Selbsthilfegruppen
Faltblatt für Hautpatienten
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