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Aktualisierung am 13.08.10
| Mausilope,
aus Linz, Jg. 1976 Meine erste Kur
1. Tag, Anreise 7
Stunden Bahnfahrt - meinen großen Koffer habe ich per Haus-zu-Haus Service
bereits zwei Tage vorher auf die Reise geschickt - verlaufen eigentlich ganz entspannt.
Leider verschlafe ich just die schönste Strecke durch die Berge...Schließlich
komme ich am Endbahnhof an, in einer Stadt ca. 15 Minuten Autofahrt von meinem
Ziel, dem Kurheim entfernt. Ein freundlicher Mitarbeiter der Kuranstalt wartet
bereits auf mich und endlich hievt mir auch mal jemand mein Gepäckwägelchen
hoch. Von der Fahrt bekomme ich fast nichts mehr mit, ich habe nach den Stunden
im Zug völlig die Orientierung verloren. Außerdem fühle ich mich
ziemlich schlapp, der Krankenhausaufenthalt und die Erkältung, die mir davon
immer noch nachhängt haben mich doch einigermaßen geschafft. So komme
ich dann heilfroh endlich im Kurheim an. Gleich mal der erste Schock: es werden
gerade neue Zimmer zugebaut, Baustellenlärm ist angesagt. Am Empfang liegt
schon mein Zimmerschlüssel bereit und auch gleich das "Programm"
für den nächsten Tag. Die Therapien werden nämlich auch schon vor
der ärztlichen Untersuchung eingeteilt, da wegen der anstehenden Feiertage
einiges ausfallen wird. Der Rest des Sonntags verläuft mit Kofferauspacken
und einem kurzen Saunagang. Dann ist Orientierung im Haus angesagt. Ich bin im
Neubau untergebracht, das Zimmer ist ein Doppelzimmer. Man bekommt aber automatisch
ein Doppelzimmer für sich alleine ohne Aufpreis, was wirklich sehr nett und
höchst ungewöhnlich ist. Gleich die Stiege runter finde ich eine Kräutertee-Bar,
wo täglich ein anderer Heiltee angeboten wird. Im Restaurant gibt es verschiedene
Tees zum Selbst-Aufbrühen. Meine
Finger sind immer noch dick und geschwollen, obwohl ich am Morgen das Cortison
wieder auf 20mg raufgesetzt hatte. Sehr zuversichtlich bin ich noch nicht. Wenigstens
tut das Dampfbad meinen nach-erkälteten Atemwegen gut. Dann gibt's Abendessen
und die spannende Aufgabe der Tischeinteilung. Neben wem soll ich mich für
die nächsten drei Wochen setzen? Ein älteres Paar, das ich schon kurz
in der Sauna erblickt habe, sieht ganz nett aus und ich werde auch gleich am Tisch
willkommen geheißen. Leider gesellt sich dann auch noch der offenbar einzige
anwesende etwas senile ältere Mann an unseren Tisch. Er hat kaum noch Zähne
und macht auch sonst allerhand äußerst unappetitliche Geräusche
und Dinge beim Essen. Aber meine Tischnachbarn nehmen sich um ihn an, mir fehlt
dazu ehrlich gesagt nach all dem Stress und vor allem auch nach dem, was sich
im Krankenhaus abgespielt hat, die Geduld für Altenpflege. Nach dem Abendessen
gibt's dann noch die übliche Ansprache der Kurleitung, dann geht's ab
aufs Zimmer. Gleich der nächste Schock: die einzige Straße durchs Tal
verläuft genau vor der Kuranstalt, es gibt weder eine sinnvolle Geschwindigkeitsbeschränkungen
(irgendwo steht eine 70er Tafel, ab an die hält sich keiner) noch irgendwelchen
Lärmschutz. Und gleich ein paar hundert Meter die Straße runter ist
ein Sägewerk. Die Holztransporter rasen also ab 5 Uhr morgens bei mir vorm
Fenster um die Kurve. Also gut, ordentlich lüften. Fenster zu. Dreimal wache
ich nachts auf und habe erbärmlichen Husten. Dabei war der doch daheim schon
weg. Naja, irgendwie überstehe ich auch diese Nacht. Meine Finger schmerzen
ganz fies und mein erster Gedanke am Morgen: Nix wie nach Hause! 2.
Tag Eine
heiße Dusche bringt mich einigermaßen zurück in die Welt. Dann
ein schnelles Frühstück vom Buffet, Joghurt und ein kleines Brötchen,
damit die Tabletten nicht so alleine im Magen schwimmen. Da geht es auch schon
auf zur ersten Therapie: Beckenbodengymnastik. Meine schmerzenden Finger und die
Handgelenke, die auch nicht so recht wollen machen mir die Sache nicht gerade
leicht. Irgendwie überstehe ich das ganze aber doch. Eine kurze Ruhezeit
im Zimmer, dann kommt eine wesentlich angenehmere Sache auf mich zu: Teilmassage.
Plötzlich sieht alles schon viel einfacher aus, ich kann doch tatsächlich
wieder über meine Schultern gucken! Als nächstes steht Nordic Walking
auf dem Programm. Der Waldweg ist schön eben, eigentlich ist das alles wohl
wirklich nicht anstrengend, aber mir fehlt nach den vielen Tagen im Bett einfach
die Puste. Außerdem ist das Herumgewurschtel mit den Stöcken nicht
wirklich meines. Das schöne Wetter und die frische Luft entschädigen
mich aber einigermaßen. - Dann
ist es endlich so weit - der Besuch beim Kurarzt. Ich habe brav meine gesamte
Befundmappe gebracht und mir einiges überlegt. Das kurze Gespräch gibt
mir aber kaum die Zeit, meine derzeitige Therapie darzulegen geschweige denn irgendwas
Produktives von mir zu geben, was die gewünschten Therapien angeht. Naja,
der Kurarzt (der nur einmal die Woche im Haus ist, ansonsten sind Termine zu vereinbaren)
ist Unfallchirurg, was interessiert den so ein einsamer Lupi? Mir fällt immer
mehr auf, dass die meisten Leute hier nicht "krank" im eigentlichen
Sinne sind, sondern irgendwelche Unfallfolgen oder orthopädische OPs nachbehandeln.
Ich fühle mich wieder mal ziemlich allein und außerdem ziemlich kaputt.
Ein zweiter Tag mit 20mg Corti hat nicht viel Besserung gebracht. Vorsichtig jammere
ich den Kurarzt noch ein wenig an wegen dem Husten. Antwort: die Luftveränderung
wird den schon ausheilen, ansonsten Termin vereinbaren, dann schreibt er mir einen
Hustensaft auf wenns nicht besser
wird. Am liebsten hätte ich gesagt:
"Sie, ich war jetzt eine Woche auf Opioiden, sie können mir ruhig ein
bissi Paracodin geben, ich vertrag's!" Alles in allem wieder ein Arztbesuch
vom Feinsten. Wenigstens habe ich einige wohlklingende Therapien auf meiner Karte
stehen: -
4-Zellenbäder
-
Teilmassagen
-
Moorpackungen/Moorkneten
-
Thermalbäder
-
Moorbäder
-
Nordic Walking
-
Wirbelsäulengymnastik
-
Stretching
-
Unterwassergymnastik
-
Einzelheilgymnastik
Nach
dem vorzüglichen, leichten und erstaunlich raffinierten Mittagessen (mit
tollem Salatbüffet) gibt es dann noch eine Moorpackung für Schultern
und Rücken. Am Nachmittag schlafe ich mich erst mal ein wenig aus und versuche
mich auf die kommenden drei Wochen einzustellen. 3.
Tag
Die Therapien laufen an, die Gymnastik ist erstaunlich effektiv. Meine Finger
schmerzen aber noch immer. Den Nachmittag verschlafe ich so gut wie. 4.
Tag Am
Abend gibt's einen deprimierenden Vortrag der Psychologin. Eigentlich geht's hauptsächlich
um gesundes Essen. Der Umgang mit Krankheit wird nur gestreift und bezieht sich
- wie sollte es auch anders sein - eher auf kurzfristige Dinge wie Operationen
oder Verletzungen. Aussagen wie "Jede Krankheit stärkt uns und macht
uns reifer" oder "Jede schlechte Sache hat irgendeinen Sinn, auch wenn
wir ihn nicht erkennen können" machen mich innerlich heiß. Am
liebsten würde ich laut rausschreien: "Danke, ich bin überreif,
möchte jetzt vielleicht jemand anderer meine Krankheit?" Meine Schmerzen
sind jetzt allerdings weniger geworden, die Nacht habe ich gut durchgeschlafen. 5.
Tag
Ich habe mir einen Arzttermin ausgemacht. Im Infoblatt der Kuranstalt habe ich
die CO2-Piscine entdeckt, keine Ahnung, was das ist, aber es soll gegen "Mikorangiopathien
unterschiedlicher Genese" helfen - hmmm. Das könnte doch für meine
jetzt im Winter wieder aufgeflammten Vaskulitiden in den Finger- und Zehenspitzen
sein?! Glück habe ich dann auch noch: mein erstes Thermalbad sollte eigentlich
heute Vormittag sein, ich kann es aber gleich morgens machen, jemand ist ausgefallen.
Und, was soll ich sagen - es wirkt Wunder. Als ich aus der Wanne steige, fühle
ich mich wie ein Gummimensch. Also jedenfalls spüre ich kein einziges Gelenk
mehr und meine Finger sind total abgeschwollen. Ich bin ehrlich überrascht!
Also den Arzt gleich informiert, dass das Thermalbad wesentlich besser ist, als
das Moorbad und dass ich außerdem gerne in die CO2-Piscine möchte.
Bumm, zack, bestätigt, nach einer Minute wieder raus. Aber wenigstens habe
ich das, was ich möchte! 6.
Tag
Cortison reduziert! Die Wirkung des Thermalbads hält vor, ich fühle
mich wirklich gut. Habe gleich mal einen Frisörtermin vereinbart, um den
Erfolg zu feiern. Leider ärgere ich mich beim Mittagessen über einen
Kerl aus der Walking-Gruppe der mir über dem Salatbüffet erklärt,
dass ich "falsch gehe". Na klar, darum hat die Trainerin ja auch gesagt,
dass ich's richtig mache. Der Typ ist mir extrem unsympathisch entsprechend auch
meine Antwort. Ich sage ihm, dass mir das ziemlich egal ist und dass ich froh
bin, überhaupt wieder einigermaßen flott gehen zu können. Er brabbelt
noch was herum, aber ich ignoriere ihn. Am Abend genieße ich also meinen
Frisörtermin und fühle ich langsam wieder wie ein Mensch. Nach Wochen
des Dahinwuselns und hauptsächlich im Bett liegens.ein großer Fortschritt.
7.
Tag
Das WE ist therapiefrei. Am Samstag Nachmittag gibt's große Ausfahrt: Weihnachtsmarkt
ist angesagt. Nach fast einer Woche in kompletter Einschicht ohne Geschäfte
und ohne irgendeine Einkaufsmöglichkeit im Hotel oder so freuen wir uns wie
die Schneekönige. Die Enttäuschung folgt auf dem Fuß.der Markt
ist nicht in der Stadt sondern wieder außerhalb, auf einem großen
Hof. So haue ich mal so richtig auf den Putz und gebe einen großen Teil
meines Budgets für Naturkosmetik, Kräutersäckchen und ein geschnitztes
Schutzengelchen aus. Zum Abschluss gibt's noch Kaffee und Kuchen, dann geht's
auch schon wieder ab ins Kurheim. Der Markt war aber abgesehen von seiner abgeschiedenen
Lage wirklich nett und der Ausflug hat sich gelohnt. 8.
Tag
Den Sonntag verbringe ich endgültig total faul lesend in der hintersten Ecke
des Schwimmbads versteckt. Es ist nämlich mein Geburtstag und den möchte
ich mal zur Abwechslung nur mit mir alleine feiern. Leider klappt das nicht so
ganz, meine glückliche Einsamkeit wird am Abend empfindlich gestört
durch die "Verleihung" einer Mini-Torte durch die Kellnerin und allgemeines
Absingen von Geburtstagsliedern. Traditionell sollte ich ja jetzt wohl für
die noch anwesenden Gäste Schnaps bringen lassen, was ich aber selbstbewusst
einfach "übersehe". Erstens habe ich nicht so viel Geld und zweitens
saufen die ohnehin auch ohne meine Spende viel zu viel für Kurbegriffe. Wieder
mal wird mir klar, dass ich hier in einer gewaltigen Minderheit bin. Vor allem
die älteren Herren und Damen scheinen mittlerweile nur noch in Sachen Kurschatten
unterwegs zu sein, was zeitweise wirklich eklig ist. Ich flüchte nach ein
paar höflichen Worten auf mein Zimmer. 9.
Tag
Toll, heute darf ich mir an jeder Ecke Anzüglichkeiten über mein Alter
anhören.Habe total mies geschlafen und muss mich beherrschen, um niemanden
zu beleidigen. Aber ein paar positive Dinge gibt es auch: erstens Cortison weiter
reduziert und ich konnte meine Nachmittagstherapie vorziehen und so an dem Ausflug
zur Schaukäserei teilnehmen. Bei Kaiserwetter machen wir uns auf und spielen
"Sendung mit der Maus" in einem kleinen Familienbetrieb. Schmackhafte
Käse, süße Kälbchen und ein totes Schwein im Stall runden
das ganze noch ab. Jedenfalls tut sich was und wir wissen, wo wir vor der Heimfahrt
noch ein paar Euros lassen können. 10.
Tag Heute ist Zwischenuntersuchung angesagt. Der Arzt zeigt sich zufrieden,
Cortison auf 12,5 mg reduziert, die Schmerzen sind fast weg. Am Nachmittag kommt
mein Mann, also gibt's endlich auch mal "Auslauf" per Auto in die nächste
Stadt. Der "City Bus", der seit gestern in Betrieb ist, hat sich nämlich
als Schildbürgerstreich entpuppt. Die Fahrzeiten sind 9:30 (Therapiezeit),
12:30 (Mittagessen, wer schnell ist, könnte es schaffen) und 17:30 (da wäre
man dann 15 min vor Ladenschluss in der Stadt und kann mit dem Taxi zurück
fahren). Also wird erst mal ausgiebig eingekauft, Taschentücher, Strumpfhosen,
Getränke, alles, was es in der Nähe des Kurheims nicht gibt. 11.
Tag Heute gibt's am Abend einen Vortrag der Wellnesstrainerin. Es dreht
sich alles wieder ums Essen und ich kann die Kalorienzählerei nicht mehr
hören. Habe schon einige Male bei Tisch fallen lassen, dass der Arzt mir
erlaubt hat, Gewicht zuzulegen, weil ich ja Cortison nehme und dass ich gar nicht
so wenig essen kann, dass ich nicht zunehme. Um mich herum wird aber nach wie
vor gefeilscht, wer weniger Kalorien zu sich genommen hat und wer sich mehr mäßigen
kann (und dann gibt's Nutellabrot zum Frühstück und Camembert als Nachtisch.)
Nach dem Essen gibt's eine nette Fackelwanderung, zu der ich sogar meinen Mann
überreden kann. 12.
Tag Heute wird ohne Stöcke gegangen. Habe dem Arzt erklärt,
dass mir die Handgelenke weh tun mit den Dingern. Klar gibt's wieder doofe Kommentare
von Mr. Nordic Walking. Heute aber eine andere Trainerin.und siehe da: sie erklärt
ihm, dass er's falsch angeht. Hihi. 13.
Tag
Autsch, in den Füßen steckt eine Entzündung. Wahrscheinlich beim
Walking übertrieben? Falsche Schuhe? Trotzdem geht's heute auf die Piste.
Es ist der 24. Dezember und die Therapien fallen aus. Warum, das ist uns nicht
ganz klar, immerhin ist ja kein Feiertag. Also in die Skischuhe gezwängt
und ein paar vorsichtige Schwünge probiert. Läuft gut! Das Wetter ist
spitzenmäßig, die Piste menschenleer. Am Abend bin ich ganz schön
geschafft, aber zufrieden. Die Entzündung in den Füßen hat sich
ein wenig gebessert durch die Bewegung. Abends
Weihnachtsempfang. Für meinen Geschmack etwas zu katholisch, es wird gesungen,
gebetet und allerhand wovon ich nichts verstehe. Ein paar Leute fühlen sich
etwas vor den Kopf gestoßen da so reingedrängt zu werden. Ansonsten
aber ganz nett. 14.
Tag Immer noch schmerzende Füße, werde wohl noch etwas bei
meinen 10mg bleiben dürfen. Belohne mich für die gestrige Tapferkeit
auf dem Skihang mit einem gemütlichen Saunatag. 15.
Tag Noch
ein Saunatag... 16.
Tag
So, die Feiertagspause ist vorbei, die Therapien gehen weiter. 17.
Tag Heute findet die Abschlussuntersuchung statt. Der Arzt meint, er sieht
dass es mir besser geht. Naja. Jedenfalls soll ich auch daheim mit der Physiotherapie
weitermachen. Am Nachmittag reist mein Mann ab und es kehrt wieder die übliche
Kurheimroutine ein. 18.
& 19. Tag die Routine geht weiter..., endlich klingen die Entzündungen
in den Füßen ganz ab und ich kann das Cortison wieder ein bisschen
reduzieren. 20.
Tag
Eigentlich ist heute wegen Silvester keine Therapie mehr. Ich habe den Arzt aber
gebeten, mir bei dem externen Krankengymnasten noch einen Termin zu besorgen,
der heute im Haus ist. Irgendwie kommen mir die vielen therapiefreien Tage langsam
ein bisschen übermächtig vor. Nach der Therapie mache ich eine Wanderung
ins 4 km entfernte Dorf und lagere ein paar Drageekeksi für den Abend ein.
Die Silvesterfeier fällt so aus, wie erwartet.furchtbar in die Länge
gezogenes Abendessen, eine Live-Band spielt auf der Elektro-Orgel viel zu laute
Musik. Ich schließe mich ein paar alten Leutchen an und verschwinde gegen
22:00 mehr oder minder auffällig in mein Zimmer. Von der Therapie am Morgen
und der Wanderung ins Dorf bin ich einigermaßen müde aber zufrieden
und so feiere ich ganz still mit mir selber das neue Jahr. 21.
Tag
Bin früh aufgewacht und wurde von einer alten Bekannten begrüßt:
Hurra, Tante Rosa ist auf Besuch! Mir tun alle Knochen weh und mein Bauch macht
auch Mätzchen. Nach den drei Wochen Therapien und viel Bewegung können
meine Regelschmerzen ja wohl nicht am Bewegungsmangel liegen! Corti wieder erhöhen
- kommt gar nicht in Frage. Erstmal ab in den Wellnessbereich, der wunderbar menschenleer
ist. Ein leichter Saunagang und meine Gelenke kommen langsam in die Gänge,
auch mein Bauch beruhigt sich in der wohligen Wärme. Bis zum Nachmittag fühle
ich mich wieder richtig frisch. Meinen Koffer habe ich schon gestern dem Haus-zu-Haus
Service übergeben. Etwas lästig mit so leichtem Gepäck noch zwei
Tage rüberzubiegen, aber Hauptsache keine Koffer schleppen. 22.
Tag
Abreise! Der Zug ist im Gegensatz zur Hinfahrt vollkommen überfüllt.
Gut, dass ich immer schon im Anfangsbahnhof zusteige, so bekomme ich wenigstens
einen Sitzplatz. Ab Salzburg habe ich die Nase voll und zahle den Aufpreis für
die erste Klasse. Will mir nicht den ganzen Kurerfolg durch stehen am Gang wieder
zunichte machen. Das Schönste am Heimkommen ist der Anblick der vielen Geschäfte
und Menschen am Hauptbahnhof. Nach drei Wochen im Wald fühle ich mich doch
in der Zivilisation wieder wohler! So,
jetzt noch meine Erfahrungen mit den Therapien im Detail, vielleicht nützlich
bei der Auswahl des Kurorts. Leider kann ich nur zu den Therapien was sagen, die
ich auch selber gemacht habe. Und wie immer gilt natürlich, was mir gut getan
hat, muss nicht jedem Lupi gut tun und umgekehrt. Also ein paar Richtlinien, sozusagen: -
Moor-Schwebstoffbad: wurde gestrichen zu Gunsten der Thermalbäder, habe ich
nur einmal gemacht. Das Moorbad war an sich nicht schlecht, nur furchtbar anstrengend
und irgendwie ein ganz klein wenig eklig. Direkt genützt hat es nicht, aber
das kann ich nach einer Anwendung wohl auch nicht so richtig beurteilen. Sehr
positiv war die angenehme Müdigkeit hinterher, ab ins Bett und ordentlich
einkuscheln. Entspannt wunderbar. Außerdem macht es schön reine Haut,
nach der einen Anwendung sind meine Cortison-Pickel am Dekollete verschwunden.
-
Moorpackungen: Jedenfalls angenehm warm, eine richtige Wirkung konnte ich nicht
feststellen. Es heißt zwar, es soll nicht bei akuten Entzündungen gemacht
werden, aber bei meinen hat's nicht geschadet. Genützt allerdings auch nicht.
-
Moorkneten: ist in jedem Fall lustig und macht die Fingergelenke geschmeidig.
Ob es wirklich was nützt, siehe oben. Aber angeblich sind "erdige"
Beschäftigungen ja gut für Autoimmun-Leute!
-
Thermalbad: das ist wohl in jedem Kurort der Hit und entsprechend individuell.
Ich hatte einen Säuerling mit Schwefelgehalt, gelb-grün und bei genauer
Betrachtung bestialisch stinkend aber wunderbar für meine Gelenke und auch
für die Haut. Danach natürlich auch wieder brav ins Bett gekuschelt.
-
4-Zellenbad: sehr angenehm und auch gut gegen Schmerzen, man schwitzt aber wie
in der Sauna.
-
Massagen: klassische Heilmassage, man hat kräftig in meine Verspannung gefasst.
Keine negativen Auswirkungen, habe aber auch auf alle Extras wie Lymphdrainagen
verzichtet.
-
CO2-Piscine: Hat keine so direkt sichtbare Wirkung gezeigt, soll aber die Durchblutung
verbessern und gegen Mikroangiopathien verschiedenster Genese gut sein. Ich bilde
mir ein, dass meine Fingerspitzen die Kälte draußen jetzt besser vertragen.
- Dann
gab's noch einiges an Gymnastik von Stretching bis Wirbelsäule. Die Unterwassergymnastik
war nicht so toll, kam mir irgendwie blöd vor, so verkrampft an einer Nudel
zu hängen und kann mir auch nicht vorstellen, dass das wirklich was bringt.
Aber kommt wohl sehr auf die Trainer an. Zum Thema Nordic Walking siehe oben.
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