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Aktualisierung am 13.08.10
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Senta,
Jg. 1958 Noch
auf der Suche
Vor 14 Monaten kam ich nach einem grippalen Infekt (?) nicht mehr richtig "in
die Gänge". Ich hatte einen richtigen Leistungsknick, meine Gelenk-
und Glieder- und Kopfschmerzen gingen - auch nach drei Wochen Krankschreibung
- nicht weg. Da ich da schon ahnte, dass mir Ruhe nichts bringt, bin ich wieder
arbeiten gegangen. Aber ich fühlte mich immer noch, als ob ich eine Grippe
mit mir herumschleppte. Meine damalige Hausärztin meinte, sie sei nach einem
langen Arbeitstag auch erschöpft. Als mir das sechs Wochen später beim
Blutabnehmen die Arzthelferin auch "steckte", kannte ich die Meinung
in der Praxis über mich. Bis August habe ich mich noch mit der Ärztin
rumgequält, eine leichte Anämie und eine Struma wurden festgestellt.
Aber meine Erschöpfung und die Schmerzen gingen nicht weg. Meine Symptome
entwickelten sich wie von Antje beschrieben (Erschöpfung nach kleinsten Handarbeiten
und Über-Kopf-Arbeiten, gewisse Steifheit in der Mimik , Schluckbeschwerden,
Gegenstände fielen mir einfach aus der Hand). Ich wechselte die Hausärztin.
Der erste Verdacht war Alzheimer oder MS. Beim MRT wurden Verschlüsse der
kleinen Blutgefäße im Gehirn festgestellt. Der Radiologe meinte, ein
paar hätte jeder, aber ich hätte zuviel davon. In seinem Bericht hatte
er dann den Verdacht auf Vaskulitis, Bindegewebserkrankungen u. ä. geäußert,
weil Herzrhythmusstörungen und Zuckerkrankheit als Ursachen ausgeschlossen
werden konnten. Aber meine Laborwerte ergaben lediglich grenzwertige ANA-Titer
und eine gesprenkelte Kernfluoreszenz (Bemerkung vom Labor: Diese Muster tritt
bei SLE oder Syst. Sklerose auf). Da wo es an den Extremitäten schmerzte,
zeigten sich immer blaue Flecken. Als ich das meiner Ärztin zeigte, meinte
sie, dass man so etwas ja auch in meinen Kopf gefunden hätte. Darauf fiel
mir erstmal gar nichts ein. Aber ihr: Bei der Fülle meiner Beschwerden, müsste
ich eigentlich jammern und heulen, da ich dies nicht täte, habe ich vermutlich
eine Depression.
Daraufhin ging es zur Untersuchung beim Neurologen
und zum Leistungstest beim Psychologen. Auch ich wurde als kooperativ, der Situation
angepasst, aber angespannt eingeschätzt. Da ich versuchte meine Schmerzen
und Beschwerden genau und konzentriert zu schildern, schrieb die Neurologin ich
sei auf meine Schmerzen fixiert ! Wegen Stress-Symptomen (Konzentrationsschwierigkeiten,
Wortfindungsschwierigkeiten und schlechter werdendem Kurzzeitgedächtnis)
empfahl sie mir autogenes Training. Der Höhepunkt des Gespräches war
der Satz, dass nach 1 Jahr eine MRT-Kontrolluntersuchung gemacht werden sollte,
aber selbst wenn in der Zwischenzeit ein paar Verschlüsse hinzukämen,
mein IQ sei so hoch , dass ich damit genug Ausgleichspotential hätte! Na,
wie beruhigend! (Nur geht meine Chefin mit meinen Ausfällen und Konzentrationsschwierigkeiten
nicht so locker um.) Die Psychologin in der gleichen Praxis meinte, ich sei eine
starke Persönlichkeit und sollte selbst überlegen, ob ich eine Gesprächstherapie
wolle. Im Bericht stand hernach "Pseudo-Demenz", sprich Depression (und
einiges, was ich wirklich so nicht gesagt habe.) Zurück zur Hausärztin
überwies diese mich zur Rheumaärztin, es könnte ja doch ein Lupus
sein, weil eine Fibro ausgeschlossen werden konnte. Zwischenzeitlich wurden bei
mir ein zu schneller Herzschlag und trockene Augen festgestellt. Als meine Unterkiefer
unerklärlich anschwollen, meinte meine Zahnärztin, dass es nicht von
den Zähnen käme und sie mir nicht helfen könnte. Den Satz kannte
ich zur Genüge. Sie schob dann noch die Geschichte der undiagnostizierten
Krankheit ihrer Schwiegermutter hinterher. Dermaßen aufgebaut ging ich
zum Abschlussgespräch zur Rheumaärztin. Die meinte bei der ersten Urinentnahme
hätte ich Eiweiss im Urin gehabt. Dann nicht mehr. Alle Werte (auch ANA-Titer)
seien grenzwertig oder knapp über normal (Blutsenkung). Und wirklich gefunden
hat sie nur erniedrigtes C4-Komplement. Sie meinte im Augenblick sieht es nicht
nach einer rheumatischen Erkrankung aus, aber solche Blutwerte seien ja immer
nur eine Momentaufnahme. Sie wollte mich eigentlich loswerden. Aber ich wollte
so dort nicht rausgehen. Deshalb erzählte ich ihr die Sachen mit dem Zahnfleisch,
den trockenen Augen und zu schnellem Herzschlag, dass ich eben wieder einen grippalen
Infekt wie am Anfang meiner Odyssee hatte. Dafür dass ich so gar keine Entzündung
haben soll, hat mir das Ibuprofen super (auch gegen meine Morgensteifigkeit) geholfen.
Und wohin soll ich denn noch gehen, wenn im Juli der Radiologe weitere Verschlüsse
im Kopf findet??? Danach durfte ich in einem halben Jahr wiederkommen, Schmerzmittel
könnte ich ruhig nehmen, aber vielleicht etwas anderes als Ibuprofen. Sie
wird das meiner Hausärztin mitteilen. Und sie forderte mich auf zu walken
! Ich dachte "Die hat sie wohl nicht alle! Mir geht es schlecht!" Irgendetwas
hat mich dann doch dazu gebracht loszulaufen. Bei den ersten Malen konnte ich
nicht länger als 5 Minuten gehen, dann bekam ich Schmerzen und glaubte, kein
Stück mehr weitergehen zu können. Alle weiteren Versuche brachten längeres
Durchhalten. Ich walke jetzt - in guten Zeiten - dreimal in der Woche eine Stunde.
Gleich in der Nähe ist ein herrlicher See, um den immer Leute walken oder
joggen. Das ist wie Urlaub! Wenn ich gehe, fühle ich mich trotz der Schmerzen
nicht krank und tanke Kraft für die schlechteren Zeiten und für die
Arztbesuche. Ich teile mir meine Arbeit so ein, dass ich nach dem Walken lange
Ruhephasen habe und staune, wie viel Zeit man übrig haben kann und in wie
viel sinnlose Dinge ich wohl früher meine Zeit investiert habe. Ich will
damit aber nicht sagen, dass es jedem hilft, durch die Gegend zu laufen. Das muss
jeder selbst herausfinden. Zum Schluss noch der Satz vom Kardiologen: "Wenn
jemand so eine Latte Ärzte braucht wie Sie und kriegt seine Probleme trotzdem
nicht gelöst, dann hat das psychische Ursachen. Das ist so!" Bei dem
Knaben hatte ich nach meinen "Walkerfolgen" noch mal eine Kontrolluntersuchung.
Ich hoffe, dass ich dort irgendwie vermitteln konnte, dass ich meinen Anteil zur
Verbesserung meiner Gesundheit bringe und dann erwarten kann, dass meine Ärzte
mich auch ernst nehmen.
^nach
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