Wie es ist ein Patient zu sein

Mammacenter UKSH Mammugraphie Punktion

Ich habe schon viele merkwürdige Situationen mit Ärzten erlebt. Mir wurde nicht geglaubt, Dinge unterstellt, ich wurde verwechselt und vergessen, man gab mir falsche Auskünfte und Medikamente. Und ja – natürlich können Fehler passieren. Doch Häufigkeit und Umgang zerren an meinem Verständnis.

Anfang Dezember tastete ich einen sehr kleinen Knubbel in meiner linken Brust. Wer mich kennt, ahnt dass ich noch keinen Gynäkologen am neuen Wohnort habe…

Also Adresse rausgesucht und einen Termin in schon 5 Tagen bekommen. Termin wahrgenommen – keine Anamnese, nur Untersuchung der linken Brust. Ärztin kann nichts tasten, soll dennoch in das Mammographie – Programm von SH. Willige ein, da ich immer noch etwas tasten kann und ich meine familiäre Vorgeschichte kenne. Ich erhalte einige Adressen und Papiere und bin entlassen.

Nach einiger Telefoniererei erhalte ich einen Termin in 7 Wochen.

Beim Termin im Radiologischen Zentrum bekomme ich zunächst eine Mammographie bds. Warte anschließend auf den Radiologen, der ebenfalls keine Anamnese erhebt, nur nach familiären Brustkrebsfällen fragt. Beide Brüste werden geschallt, links sieht er nichts, rechts eine Verdichtung, die er für ein Fibroadenom hält. Er empfiehlt eine Ultraschallkontrolle in einem halben Jahr, muss die Befunde aber an einen Kollegen übergeben, im Rahmen des Brustkrebsprogramms zur Absicherung.

14 Tage später ruft die Gynäkologin an, die Befunde wären da und ich müsse die Verdichtung in der rechten Brust punktieren lassen müsse. Es gäbe wohl schon einen Termin in einigen Tagen in der Uniklinik (3. Anlaufpunkt), die Unterlagen bekäme ich zugesandt.

Nachdem 3 Tage vor dem angedeuteten Termin keine Unterlagen da sind, wende ich mich erneut an die Gynäkologin, die mir persönlich die Auskunft gibt, dass ich mich dann mal an die Radiologen wenden solle (2. Anlaufadresse).

Mein Anruf dort stößt auf völliges Unverständnis, dort führe man eine Mammographie durch und sonst gar nichts. Für alles weitere sei die Frauenärztin zuständig.

Ich suche mir nun selbst die Nummer des Brustzentrums der Uni raus und rufe dort an. Es ist Donnerstag nachmittag, 10 Wochen nach der ersten Untersuchung.

In der Uni sind nun meine Unterlagen immerhin vorhanden, mein Termin ist am Montag um 11.00, dass hätte mir die Gynäkologin doch mitteilen müssen. Aber eine Überweisung hätte sie mir doch wenigstens gegeben?! Nein!

Ich zerre also Kind 3 ins Auto und schlage, 15 Minuten bevor ich Kind 2 vom Schiff holen muss, bei der Frauenärztin auf. Sie ist nicht da. Und eine Überweisung bekäme ich nur nach Abtasten. Hätte sie doch schon? Nein, gilt nicht mehr. Auf die Kollegin könnte ich warten. Könne ich nicht? Pech, dann müsse ich den Termin in der Uni wohl absagen. Ich werde etwas lauter, erreiche aber lediglich, dass ich am Montag früh kommen „darf“ und dann direkt in die Uni fahre.

Am Montag warte ich 30 Minuten, komme zu der Ärztin, die mir dann – ohne Untersuchung – die Überweisung ausstellt und mich recht verständnislos betrachtet, als ich das Durcheinander bemängele.

Nun sitze ich seit 1 h im Wartesaal der Uni und harre der Dinge, die da kommen.

Nach 90 Minuten bin ich dran, ein wortkarger Arzt macht einen Ultraschall der re. Brust, sieht ebenfalls ein Fibroadenom, „mit 98 % iger Wahrscheinlichkeit“, die Brust wird betäubt und es werden 4 Stanzen genommen, alles schmerzfrei, hört sich nur wie ein Tacker an. Dann wird komprimiert und gekühlt, das ist unangenehm!

Ich werde entlassen und bekomme in vier Tagen das endgültige Ergebnis – falls  die Gynäkologin es schafft mir mitzuteilen.

In 2 Wochen wäre meine Mama 70 geworden. Sie starb vor fast genau vier Jahren an Brustkrebs.

Update: Am Donnerstag erfolgte natürlich keine Befundmitteilung, gerade hing ich 26 Minuten in der Warteschleife um mitgeteilt zu bekommen, dass man meinen Befund suchen (?!) würde, ihn der nicht anwesenden Ärztin faxen würde und ich dann eine Rückruf erhielte.
Nun immerhin: Entwarnung, Fibroadenom, harmlos. Kontrolle soll dennoch in 6 Monaten erfolgen – wozu habe ich nicht verstanden und ich bin mir auch noch nicht sicher, ob ich mir das regelmässig antun möchte.

2 Gedanken zu „Wie es ist ein Patient zu sein

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