Löffelfresser – Wie es ist mit Löffeln hauszuhalten

Praktische Anmerkungen zur Löffeltheorie

Viele von Euch kennen sicherlich schon die Löffeltheorie. Es ist die anschaulichste und beste Erklärung, wie es ist mit Lupus zu leben, die ich kenne.

Nun wird in dem Text schon vieles genannt, was uns Löffel kostet oder kosten kann. Der ganze Alltagskram vom Ausstehen und Fertigmachen, über den Haushalt, die Kinder, die Arbeit, den Stress, das alles in seine Details zerlegt und durchgerührt. Ihr alle kennt das!

An all dem kann man nicht viel ändern oder man optimiert es halt soweit es geht und versucht mit allem was übrig bleibt bestmöglichst zurechtzukommen.

Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass man – mit normalen Kräften ausgestattet – oft vergisst, dass ein Lupi anders denken und agieren muss. Auch kann ich mir vorstellen, dass es oft nervt, pingelig erscheint. Dass es einfach lästig ist, darauf Rücksicht zu nehmen – echt jetzt! Mich nervt es auch – total!

Was mich aber zunehmend beschäftigt, belastet, umtreibt, sind

Die unnötigen Löffelfresser:

Vieles in unserem Haushalt ist rationalisiert. Ich habe die Dinge gern da wo sie hingehören.  Dann muss ich sie nicht suchen, womöglich treppauf oder treppab laufen und rumtragen. Gern benutze ich Haushaltsgeräte um meine Gelenke zu schonen und ich gestalte Abläufe so, dass ich sie auch an schlechten Tagen leisten kann. Für mich sind auch kleinere Aufgaben echte Aufgaben (und meist sind sie dann doch nicht so klein). Ich teile meine Zeit gut ein, damit ich nichts in letzter Minute machen muss.  Ich hasse es, wenn jemand das boykottiert, verniedlicht oder einfach ignorant oder gleichgültig oder faul ist (weil es ja mein „Tic“ ist oder ich mich da so „anstelle“ oder meine „Eigenheiten“ habe oder man es ja auch morgen oder nächste Woche machen kann oder es doch eigentlich egal ist oder ich mich anstelle). Dann verniedlicht, boykottiert, ignoriert man auch meine Erkrankung, meinen Umgang  und mich.

Ich würde mir wünschen, dass gesehen wird, wenn ich Over-level-Aktionen mache, wie zuviel Sonne, arbeiten, trotz Arbeitsunfähigkeit, zu wenig Schlaf, Zusatzaufgaben durch Reisevorbereitungen, Feiern, Gäste usw. Und man mich unterstützt, dass Gleichgewicht wieder herzustellen oder es gar nicht erst ausser Kontrolle geraten lässt.
Solche Aktionen sind ja oft mit positiven Dingen besetzt, also man feiert, hat lieben Besuch, unternimmt etwas Tolles, verreist, was auch immer. Wenn man dann schon mit einem Löffeldefizit startet oder am Ende ohne Löffel vor einem Haufen Chaos steht, nimmt das sehr viel vom Spass an der Sache.

Und fast so gern, wie  ich Ärzte mag, die gesicherte Diagnosen in Frage stellen, mag ich Aussagen, dass etwas – Schmerz, Ausschlag, Schwellung, irgendein Symptom – nicht so schlimm ist oder nicht so schlimm aussieht oder bald wieder weggeht oder jemand, das ja auch mal hatte, ich mich mehr oder weniger bewegen solle, mich anders ernähren oder mehr schlafen solle. Sofort stelle ich mich und meinen Umgang mit dem Lupus infrage und vermute, dass man denkt, dass ich mich „anstelle“, vor lauter Schreck lass ich alle Löffel fallen und bin den Rest des Tages nicht mehr zu gebrauchen. 

Was sind Eure Löffelfresser? Wie geht Ihr damit um?

LöffelfresserHabt einen löffelreichen Tag!


 

 

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2 Gedanken zu „Löffelfresser – Wie es ist mit Löffeln hauszuhalten

  1. Meine Löffelchen heute reichen gerade noch für ein paar mehr oder weniger sinnvolle postings. (Smart phones wurden sowieso für uns erfunden. Sie bringen wenigstens einen Rest Sozialleben).
    Ich denke, wir schlagen uns mit den gleichen Energievampiren rum, wie Gesunde auch. Der Unterschied ist nur der zwischen: „das nervt“ und „jetzt krieg ich heute sonst nix mehr hin“. Wenn ich zum Beispiel mit möchte-selber-gehen Kleinkind zum Arzt um ein Rezept gehe und von dort in die Apotheke (sprich 11 kg trage), nur um dort zu merken, dass man mir ein falsches Rezept gegeben hat. Also alles nochmal retour denn die Tabletten brauche ich heute noch und da ich wegen des kürzeren Weges nicht meine Stammapotheke gewählt habe, kennen die mich nicht und es gibt keine Kulanz. Nach so einer Tour ist der Tag eigentlich gelaufen. Wieder gelernt, ausgehändigte Rezepte werden jetzt doppelt geprüft. Für Gesunde ist so was lästig, die haben vielleicht sogar noch die Nerven, die Arzthelferin zu schimpfen. Ich sehe nur zu, dass ich endlich heim aufs Sofa komme und hoffe, dass das Kleinkind mal 15 Minuten alleine spielt.
    Aktuell nervt natürlich noch das ewige Rechtfertigen, warum man mit dem Kind nicht in die Sonne geht (als ob das für die Kinder lebenswichtig wäre, dass sie schön braun sind…), warum man selber auf Bräune verzichtet, ob man einen Sonnenbrand im Gesicht hat…Was geht das überhaupt jemanden an?! Alleine das zu ignorieren kostet Löffel. Ähnlich wie diese ewigen guten Ratschläge von mehr schlafen bis Joggen gehen, die bringen meinen Schmetterling zum Glühen.
    Und nein, Urlaub bedeutet nicht automatisch Erholung!
    Also wie man damit umgehen soll, weiß ich nicht immer. Rückzug ist halt oft die einzige Möglichkeit.

  2. Löffel zweckentfremden..
    an manchen Tagen möchte ich gern einen großen Löffel, einen richtig großen, mein ich!
    Den würde ich dann gern den ganzen Leuten, die um mich herum jammern, wie schlecht es ihnen doch geht, ( nachdem ich ewig brauchte, um aufzustehen, weil die Beine so richtig bretthart steif sind, die Krücken zum zehnten Mal vom Fensterbrett gerutscht sind und überhaupt und sowieso mein Chef gleich wieder motzt, warum ich ZU SPÄT komme,) gehörig auf den Kopf hauen.
    Ich bin dünnhäutig geworden, ertrage Gejammer und Gemaule nicht mehr so gut. Täglich trete ich mir selbst in den Arsch und motiviere mich. Nicht aufgeben, mach weiter, heute ist vielleicht scheisse, aber morgen, da ist es vielleicht besser. Vielleicht.
    NEIN sagen. Nein, ich kann mich jetzt nicht zehn Minuten mit Ihnen über die neuesten Make-up Sorten unterhalten, denn ich habe nicht mehr lange Energie. Wenn die verbraucht ist, kann ich leider kein Auto mehr fahren. Dann steh ich hier und komm nicht mehr heim….die Löffel verbrauchen sich wahnsinnig schnell.
    Nicht aufgeben. Lieber die Löffel verschönern. Silberne, welche mit Swarowski-Steinchen, welche in rot, grün, oder mit Schokolade. Mach was draus.

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