Wie es ist – seine Mutter zu verlieren

41 Jahre, 7 Monate und 20 Tage Leben konnten mich nicht darauf vorbereiten wie es ist ohne Dich zu sein. Mutterlos zu sein. Allein zu sein.

Seit fünf Jahren lebe ich nun ohne Dich und es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an Dich denke.

An Dein Wesen, Dein Leben, Deine Schicksalsschläge, Dein Leben mit Armut, mit Krankheit, mit kranken Männern. Dein Leben mit Deinen Kindern und Deinen Enkeln. An Deine Güte, an Deine Nervigkeit, an Deine bedingungslose Liebe, an Deine unstillbare Sehnsucht nach Leben, gutem Leben. An Deine Haare und an Deinen Duft. Deine Hände! Wie Du beim Überholen langsamer wurdest und wie Du Spucke zwischen den Zähnen zutschtest und mich damit wahnsinnig machtest. An Deine Hunde und an Dein Essen. An Deine Liebe und daran, dass Du mir Wurzeln gabst, die ich erst bemerkte als sie fehlten. Die bis heute fehlen, an jedem einzelnen Tag.

Mutter

Wir hatten keine Heititei-Beziehung, wir haben uns aneinander gerieben, oft und sehr. Wir sind uns manchmal aus dem Weg  und  oft auf die Nerven gegangen. Immer fanden wir einen Weg zueinander zurück.

Vor fünf Jahren sass ich neben Dir, als Du einen letzten Atemzug tatest. Beobachtete den ganzen Tag wie Du Dich auf den Weg machtest, nach all den schweren Monaten und Wochen und Tagen zuvor. Am Morgen hast Du noch meine Wange gestreichelt, am Abend schloss ich Deine Augen. Nichts hat mich darauf vorbereitet. Und niemals werde ich wieder diese Wurzeln haben, zuhause sein, einfach sein dürfen. 

Die Zeit heilt nicht alle Wunden, man lernt nur ein bisschen besser mit ihnen umzugehen, mit ihnen zu leben.

So ist es. 

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6 Kommentare zu „Wie es ist – seine Mutter zu verlieren“

  1. Liebe Antje,

    ich kann dich nur zu gut verstehen!
    Der Spruch “ die Zeit heilt alle Wunden“ ist m.M. nach leider nicht immer wahr.
    Es gibt solche Wunden, wie den Tod eines geliebten Menschen, die mit der Zeit vielleicht ein bisschen weniger schmerzen, aber die Narben bleiben für immer.
    Meine Mama ist erst vor 2 Wochen für immer eingeschlafen und meine Trauer ist grenzenlos…..
    Wir haben auch nicht immer eine gute und harmonische Beziehung gehabt, es gab auch schwierige Phasen, aber sie war meine Mutter und ich liebte sie.
    Und jetzt ist alles so endgültig…..und sie fehlt mir sehr!
    Liebe Antje, es ist immer schwer einen geliebten Menschen zu verlieren und doch gehört das auch zum Leben und wir müssen irgendwie damit zurecht kommen.
    Die schönen Erinnerungen aber bleiben und die kann uns nichts und niemand nehmen!
    Ich schicke dir eine stille Umarmung
    Milka

    1. Liebe Milka,

      das tut mir sehr leid! Ich hoffe, Du hast liebe Menschen um Dich herum, die Dich begleiten und stützen.
      Und natürlich kommen wir zurecht (tun wir das nicht immer?) und gehen damit um, doch auch die Trauer braucht ihren Raum und ihre Zeit und das muss man auch zulassen.

      Ich umarme Dich
      Antje

  2. Liebe Antje,

    vielen Dank für deine sehr persönlichen Worte!
    Das war sehr mutig, deine Gefühle, deine Trauer hier in der Öffentlichkeit preis zu geben. Du hast sicher viele Herzen berührt damit, auch meines.
    Ich bin mir sicher, dass deine Mutter, dort, wo sie jetzt ist, stolz auf ihre Tochter schaut und dir in ihrer Art die LIebe und Zwendung schickt, die du brauchst.
    Natürlich hinterlassen Menschen, die frühzeitig aus unserem Leben gehen, eine Lücke. Ich bin jedoch überzeugt davon, dass alles so geschieht, wie es richtig ist. Deine Mutter hat es gut dort, wo sie jetzt ist. Sie leidet nicht mehr, sie ist in Licht und Liebe. Das darfst du nie vergessen. Vielleicht kann dir das etwas Trost geben.

    Herzlichst
    Jade

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