Neue Ärzte – Wie es ist

Termine bei mir unbekannten Ärztinnen sind mir ein Graus. Und ich meine wirklich schlimm. Schon Tage vorher werde ich unruhig, die Nacht vor dem Termin kann ich nicht schlafen. Ich bereite mich vor, suche die passenden Unterlagen raus und die neusten Laborbefunde. Ich gucke mir die Webseite der Ärztin an, Onlinebewertungen und versuche die Lage einzuschätzen.

Ist der Tag gekommen fahre ich sehr rechtzeitig los, ich brauche den Weg und auch ein bisschen Wartezeit um mich auf die Situation einzulassen. Im Kopf gehe ich oft durch, was ich sagen will. Denn meist sind die Beschwerden unspezifisch und die Vorgeschichte so lang, dass keine Ärztin Zeit hat, sich das alles anzuhören. Also versuche ich schon im Vorfeld irgendeine Art von „Essenz“ rausfiltern, die möglichst viel Information in möglichst wenig Worten und Zeit unterbringt – relativ erfolglos übrigens ;).

Oft ärgere ich mich zur Ablenkung noch ein bisschen über die heute fast unvermeidlichen Fragebögen und DSGVO-Formulare. Warum drucken die denn bloss die Daten nicht gleich rein? Sie haben sie doch eh? Nein, ich muss bis zu 5 x komplett Namen, Anschrift, Telefonnummer, Allergien und die Hausärztin, bitte Anschrift nicht vergessen!, eintragen. Die Medikation trage ich mittlerweile schon ausgedruckt bei mir und geb den Zettel einfach mit ab.

Irgendwann dann bei der Ärztin angekommen, folgt das unvermeidlich „Hallo, wie gehts“ (nein, Antje, Du darfst nicht „gut“ sagen), „was führt sie zu mir?“  Ich versuche mich an den Text zu erinnern, den ich mir zurecht gelegt habe, was meist gar nicht oder nur teilweise gelingt. Und so stolpern wir uns durch Anamnese und aktuelle Beschwerden. Nur sehr wenige Ärztinnen haben es drauf, das strukturiert auf die Reihe zu bringen.

Im durchschnittlichen Fall werden dann die Medikamente und Erkrankungen, die ich schon auf Zettel schreiben musste erneut abgefragt, im schlimmsten Fall auch in Frage gestellt. Oder es werden Meinungen zu Krankheiten kund getan, nach denen niemand gefragt hat. Wie der Orthopäde, der Lupus hörte und mit entgleisten Gesichtszügen sagte: Sie wissen schon, dass man daran sterben kann? Da ging es meinem Rücken doch gleich sehr viel besser.

Es folgt teilweise irgendeine Art von Untersuchung (unvergessen die Rheumatologin, die verlangte, dass ich nackt bis auf den Schlüpper auf der sehr hohen Liege sitze, während sie mich umkreiste und scheinbar rein optisch untersuchte) und/oder Laboruntersuchung, ehe das Urteil verkündet wird. Oft muss ich mich selbst informieren, ob die gewünschte Medikation im Einklang mit meinen Erkrankungen und Medikamenten steht.

Auf Wiedersehen, es war nicht schön.

Dass es auch anders geht, haben mir in diesem Jahr gleich zwei Ärzte bewiesen. Zunächst musste ich – aufgrund schlechter Nierenwerte – zum Nephrologen. Ich haderte und zögerte und guckte mir Webseiten an und haderte und zögerte, vereinbarte aber schliesslich einen Termin in der Innenstadt. Diesen Arzt hatte mir meine Hausärztin empfohlen.
Ein paar Wochen Wartezeit, dann musste ich antreten. Die Praxis ist sehr gut organisiert, bei bisher 5 Terminen musste ich nur einmal etwas länger warten. Es gab den unvermeidlichen Fragebogen, doch den hatte der Arzt dann immerhin gelesen, als ich ins Sprechzimmer kam. Ebenso die mitgebrachten Berichte. Er fragte sehr gezielt ab, war dabei freundlich und wir sprachen auf Augenhöhe. Während der Ultraschalluntersuchung erklärte und zeigte er mir alles und auch der folgende Ablauf wurde genau geklärt. Neuer Termin, Sammelurin, Labor, eine Woche später Besprechung. Das klappte alles tadellos und die Besprechung war ebenfalls sehr gut. Mir wurden alle Möglichkeiten aufgezeigt, zu nichts gedrängt, mein Urteil nicht infrage gestellt.
Da ich zu dem Zeitpunkt rheumatologisch obdachlos war, empfahlt er mir eine Ärztin für die weitere Zusammenarbeit. Ich bekam noch einen kurzfristigen Kontrolltermin, der ebenso reibungslos lief und wir einigten uns am Ende, vorerst auf eine Biopsie zu verzichten und nur zu kontrollieren. Übrigens habe ich hier die Patientennummer 11111, das kann ja nur gut gehen.

Kompetenz – Augenhöhe – Freundlichkeit – gute OrganisationWaZiFuBo - Neue Ärzte - Wie es ist

Die Rheumatologin hatte einen fast lustigen Start. Nicht nur dass sie in einer anderen Stadt ist. Man muss dort seine Unterlagen einreichen und bekommt dann – oder auch nicht – einen Platz auf der Warteliste. Bei Facebook blödelte ich über diese Castingsituation und welche Qualifikationen man wohl als Super-Lupi mitbringen muss.
Ich musste dann gar nicht so lange warten, mitten in den Sommerferien bekam ich einen Anruf, ob ich am nächsten Tag komme könnte, es hätte sich eine Lücke ergeben. Im Nachhinein war das die Idealsituation, ich hatte nämlich gar keine Zeit, mir grossartig Gedanken zu machen und Unterlagen musste ich auch nicht mehr vorbereiten, die hatte sie ja schon.
Mit dem Mittelkind fuhr ich am nächsten Tag in die Nachbarstadt, die Praxis fanden wir schnell. Dort angekommen war es völlig leer, ich bekam natürlich einen Fragebogen *seufz*, nach dem Ausfüllen war ich aber auch schon dran.
Die Ärztin war sehr jung (wie kann man denn da schon Prof. sein???) und sachlich. Der Hammer war allerdings, dass sie jeden einzelnen meiner eingereichten Berichte komplett gelesen hatte und vollkommen Bescheid wusste. Ich war platt. Ich schilderte kurz mein akutes Anliegen: Suche nach betreuender Rheumatologin und Nierenmist, sie fragte noch einige Sachen ab, die ihr aus den Befunden nicht klar waren. Dann untersuchte sie mich komplett, inklusive Gelenkultraschall. Auch sie erklärte alles.
Mit meiner Medikation war sie einverstanden, in Abhängigkeit der noch zu erstellenden Laborbefunde. Das Coimbraprotokoll fand sie in Ordnung. Bei den Nieren suchen wir weiter nach der Ursache, doch auch sie hält eine Biopsie zum jetzigen Zeitpunkt nicht für notwendig. Zack, Blutentnahme, neuer Termin in vier Monaten. WaziFuBo Neue Ärzte - Wie es ist

Ich hoffe, dass sich der Eindruck im November bestätigt und wäre sehr erleichtert zumindest in diesen Fachrichtungen eine Dauerlösung bekommen zu haben.

In diesem Jahr steht dann noch ein Termin beim Pulmologen und Kardiologen an – puh.

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