Lupus und Erwerbsarbeit – wie es ist

Man könnte glauben, dass jetzt – während des Abebbens eines heftigen Schubs und in Corona-Zeiten – kein guter Zeitpunkt ist, über die berufliche Zukunft als Lupi nachzudenken.

Für mich ist es aber genau die richtige Zeit!

Fünf Monate habe ich zuhause verbracht, ausser Einkaufen, Haushalt, Lupus und Kinder zu Hausaufgaben zwingen, deren Sinn ich meist nicht verstand und die auch nicht bewertet oder gar  kontrolliert wurden, habe ich nichts gemacht. Haus, Garten, Strand, Wald. Bett, Küche, Schreibtisch. Natürlich auch noch ausruhen, kühlen, Schmerz  ertragen.

Ich merkte mit jedem Tag mehr, dass ich noch etwas anderes brauche, dass ich so auf Dauer nicht weitermachen kann.

Dazu kam, dass so ein Schub – wie überhaupt eine chronische leistungslimitierende Erkrankung – natürlich Dinge mit dem Selbstwert macht. Mit der eigenen Wahrnehmung, mit dem Wert in der Gesellschaft, mit dem Selbstbewusstsein. Das kann man natürlich alles Wegatmen, annehmen, verarbeiten und akzeptieren. Aber man kann sich auch zusätzlich überlegen, ob man auch etwas praktisch tun kann.

Ich brauchte ganz dringend das Gefühl mein Leben selbst zu bestimmen, Dinge in die Hand nehmen zu können.

Ich habe – ganz für mich allein – beschlossen, dass mir einige Stunden fester Arbeit ausserhalb des Familienunternehmens, ausserhalb des Hauses sehr gut tun würden und auch zu schaffen sein müssten.

Nachdem ich sehr lange darauf rumgedacht hatte, ging es in der Umsetzung ganz schnell. Dienstag schrieb ich fünf Bewerbungen, Mittwoch hatte ich ein Vorstellungsgespräch und die Zusage vom Coronalabor, sofort in der Datenerfassung anfangen zu können. In der folgenden Woche arbeitete ich im Labor zur Probe, ausserdem in einer Schmerzklinik und stellte mich in einer Praxis vor, in der ich dann auch noch einen Probevormittag verbrachte.
Eine Bewerbung ist unbeantwortet geblieben und für die fünfte Stelle soll ich mich im Herbst nochmal melden.

Dem Labor sagte ich nach den drei Probearbeitstagen ab – zu langweilig, zu lange Anfahrt und zu viel Corona.
In der Schmerzklinik war es klasse, ich würde da sofort anfangen. Ein sehr interessantes Aufgabengebiet, ein ganz tolles Team und nicht weit weg. Leider möchten sie jemanden für min. 32 h und das ist definitiv zu viel. Die Bewerbung ist noch offen, aber ich werde absagen müssen.
In der Praxis hat es mir auch gut gefallen. Klein, aber wachsend, nette Leute, trotz Teilzeit feste Aufgaben und Verantwortungsgebiete. Kann ich mir sehr gut vorstellen. Am Ende der Woche soll ich Bescheid bekommen.

WaZiFuBo, freiwillig - Lupus und Arbeit - wie es ist

Und wenn es nichts wird, schreibe ich noch eine Runde Bewerbungen.

Ich habe übrigens überall mit absolut offenen Karten gespielt. In meiner Bewerbung steht, dass ich aufgrund einer internistischen Erkrankung schwerbehindert bin. In zwei Gesprächen wurde nachgefragt, allerdings mit dem Aufhänger, warum ich aus dem Beruf ausgestiegen wäre. Ich habe erklärt, dass ich mit undiagnostiziertem Lupus meine Aufgaben nicht mehr richtig ausführen konnte und mir deshalb eine Alternative gesucht hätte. Denn genau so war es. Mir war und ist es wichtig mit offen zu sein und mich nicht zu verstellen. Falls mir dadurch ein Nachteil entsteht, ist es sicherlich nicht der richtige Arbeitsplatz.

Lupus und Arbeit, hier berichtete ich bereits

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