ein Jahr Corona als Familie und als Lupi – wie es ist

Aktuell

Heute gehen die Kinder wieder zur Schule. Zwei von ihnen das erste Mal in diesem Jahr, der Grosse hat schon ein paar Stunden hinter sich gebracht. Der Jüngste hat vorerst jeden Tag Unterricht, die beiden Grösseren sind im Wechselunterricht.

Beim Vorbereiten des ersten Schultags stellen wir fest, dass die Kinder mehr Jogginghosen als normale Hosen besitzen und die „normalen“ Hosen zu einem Grossteil zu kurz sind…

Wir müssen Fahrkarten suchen, Essenschips (wir haben eh kein Essen bestellt), Brotdosen und Trinkflaschen wiederfinden. Wir üben mit dem jüngsten Kind das Testverfahren und geben Einverständniserklärungen und Duplosteine mit. Die Sportsachen passen fast komplett nicht mehr und wir improvisieren eine Ausstattung zusammen.

Wir machen das, weil wir uns etwas Normalität und mehr Sozialkontakte für die Kinder wünschen (nichtsdestotrotz wünschte ich mir eine bessere, inklusivere, schützendere Lösung). Der Bildungsgedanke ist in den letzten Monaten eh in den Hintergrund gerückt. Und auch weil ich inzwischen die erste Impfung habe und weil hier in SH und insbesondere in unserem Kreis die Zahlen recht moderat, zumindest im Vergleich zur Restrepublik, sind.

Auch sonst hat sich vieles in unserem Alltag und in unseren Gedanken geändert.

Essen

Statt Brotdosen benutzen die Kinder Schalen und Schüsselchen für Ihre Snacks, die überall herumstehen.
Die Quote unserer Essenbestellungen bei diversen Bringdiensten hat sich mindestens verdoppelt, auch holen wir gern Essen in einigen Restaurants.
Unter der Woche kocht das grosse Kind das Mittagessen – sehr super!
Ich backe häufiger als sonst, um die ewig hungrige Meute zu füttern.

Schule

Die beiden älteren Kinder haben in der Coronazeit je einen Schulabschluss gemacht.  Der Grosse seinen MSA, mit der Unterstützung eines Fachlehrers, die beiden anderen LehrerInnen haben ihm wenig geholfen. Und der Mittlere vor einigen Wochen seinen ESA, wir kennen die Ergebnisse noch nicht. Er hatte faktisch keine Unterstützung von seinen LehrerInnen. Nicht einmal auf seinen Nachteilsausgleich wurde Rücksicht genommen. Beide Kinder haben sich komplett allein zuhause vorbereitet, der Grosse hatte zwei Onlinevorbereitungen in einem Fach.

In Sachen Schule bin ich ohnehin völlig resigniert und desillusioniert. Mir ist klar, dass vieles an der Regierung, den Bundesländern, den Kultusministerien und den Schulämtern hakt und ursächlich ist. Doch zusätzlich hat unsere Schule – auch nach mehr als einem Jahr – kein sinnvolles Onlineunterrichtskonzept. Die LehrerInnen fahren komplett alleingelassen ihr eigenes Konzept und die Bandbreite reicht von „tot stellen“ bis hin zu selbstgedrehten Videos, ist aber leider mehrheitlich anwenderfeindlich. Persönlicher Kontakt in Form von Telefonaten oder Chats findet fast überhaupt nicht statt. Die Kinder sind sich selbst überlassen.

Um daraus etwas Positives mitzunehmen: alle drei Kinder (auch der 10 jährige) haben im letzten Jahr ein sehr hohes Mass an Medienkompetenz erreicht! Ob Videokonferenzen, Dateiformate, Up- und Downloads, Formatumwandlungen, Cheats und Tricks, Plattformenwechsel, Foto- und Videobearbeitung, Dokumentenordnung – so schnell bringt sie nichts aus der Fassung.

Kinder

Die Kinder sind sowieso der helle Wahnsinn: wie gut sie alles mitmachen, unsere Entscheidungen akzeptieren, mit uns nachdenken, flexibel und tolerant im Denken und Handeln sind, sich umstellen und kaum beklagen – Hut ab!

Sie machen nicht viel zusammen, (wenn dann wir alle als Familie), aber sie kommen gut zurecht, meist auch miteinander oder halt nebeneinander.

Technik

Technisch ausgestattet waren sie auch schon vorher gut. Der Kleine bekam noch im letzten Jahr ein Handy dazu. Im Herbst tauschten wir sein Laptop gegen einen PC aus, damit er besser arbeiten kann.

Sport

Die Kinder machten zu wenig Sport und bewegten sich insgesamt zu wenig. Der Kleine gerät auf dem Trampolin aus der Puste und hat nach dem Tennis Muskelkater. Der Mittlere beklagt seine schlechte Kondition.
Bis in den Herbst sind wir oft spazieren gegangen oder machten kleinere Ausflüge in die Umgebung, soweit es mir gesundheitlich möglich war. Im Winter blieb auch das weitgehend aus.

keine Touristen - ein Jahr Corona als Familie und als Lupi - wie es ist

Aussenkontakte der Kinder

Aussenkontakte hatten alle Kinder (zu) wenig. Der Grosse traf sich mitunter mit zwei ausgesuchten FreundInnen, aber nicht sehr oft. Der Kleine hatte zu Beginn des Jahres viel Kontakt zu einem Kumpel. Seit dieser aber wieder zur Schule geht und unser Kind nicht, hat es fast gar keine Kontakte mehr.
Der Hausmeister a. D.  hat für den Jüngsten einen Online-Pausenhof per Skype eingerichtet, wo er sich täglich mit zwei anderen Kindern traf, die auch noch zuhause waren.
Das Mittelkind beschränkte sich ausserhalb der kurzen Schulphasen komplett auf Onlinekontakte.
Gerade für die Teenager finde ich das sehr schwierig. Sie verpassen soviel Zeit mit anderen Jugendlichen.

Medienzeit

Entsprechend ist die Medienzeit hier völlig ausser Kontrolle. Es findet alles online statt. Wir haben da resigniert und erst in den letzten Tagen, seitdem das Wetter mehr Aussenzeit hergibt, wieder ein ganz ganz bisschen regulierend eingegriffen.

Urlaub

Wir hatten tatsächlich ein paar Mal Urlaub. Ich merke es leider so gar nicht mehr. Aber wir waren im letzten Sommer ein paar Tage auf Rügen (bei den Schwiegereltern) und im Herbst zum Familientreffen in  Linstow an der mecklenburgischen Seenplatte und anschliessend noch ein paar Tage an der Ost-Ostsee.
Dennoch hab ich Fernweh. Zur Zeit ploppen ständig Erinnerungen an die Urlaube der letzten Jahre auf. Da wir meist Ostern verreisen ist das gerade etwas gehäuft… Ein bisschen Abstand zum Alltag täte uns allen wohl ganz gut.

Einkauf

Für mich ist – neben der Arbeit – der Wocheneinkauf DAS Event der Woche. Menschen, Shopping, draussen! Nein, im Ernst. Es ist eigentlich eine nervige Angelegenheit mit drängeligen Nasenaffen (Pimmelnasen) und „bloss weg hier“ – Gedanken.

Das Einkaufsverhalten hat sich (noch) weiter in Richtung Onlinekaufen verschoben. Ich habe eine wöchentliche Obst- und Gemüsekiste, wöchentliche Milch- und Eierlieferung, zweiwöchentliche Blumenlieferung und eine Reihe Abos für Drogerieartikel und Nahrungsergänzungsmittel. Fleisch bestelle ich seit Kurzem fast ausschliesslich über Grutto (das ist wieder so ein Gutschein-Link, falls Ihr bestellt, bekomme ich eine Gutschrift, gucken ist kostenlos 🙂) (Kauf ne Kuh, Kauf n Schwein usw.) und bin damit sehr zufrieden.

Familie

Ich finde, dass wir als Familie ganz gut zurecht kommen. Es gibt wenig Streit und Gemecker, am ehesten zwischen dem Mittelkind und dem Jüngsten oder zwischen uns Erwachsenen. Wir spielen jeden Tag nach dem Abendessen MauMau, wir essen abends fast immer zusammen und mittags mit allen, die da sind. Am Schnittchenfreitag gucken wir zusammen „Friends“. Wir gehen uns nicht mehr auf die Nerven, als im Alltag ohne Corona auch. Wir lassen uns Raum.

Meinen Vater sah ich zuletzt im Sommer. Er hat inzwischen die erste Impfung, wie ich auch, so dass wir uns vielleicht auch in diesem Sommer treffen können.
Die Schwiegerfamilie trafen wir im Sommer zum Geburtstag des Mittelkindes und im  Herbst, weiteres ist bisher nicht geplant.

Beziehung

Wir haben schon vor Corona ganz schön miteinander gerungen, mit besseren und schlechteren Phasen. Im letzten Jahr hatten wir eine sehr lange sehr schlechte Zeit. Im Moment haben wir uns ganz gut berappelt. Trotzdem gibt es immer wieder Tage, an denen die Kommunikation überhaupt nicht klappt, wir nicht weiterkommen und ich aufgeben möchte.

Sozialkontakte

Im letzten Sommer waren wir ein Mal (!) zum Grillen eingeladen.
Ansonsten sind die Sozialkontakte von uns Erwachsenen auf die Arbeit, Arztbesuche und Onlinekontakte beschränkt.
Klingt beim Aufschreiben ganz schön übel ;).

Masken - ein Jahr Corona als Familie und als Lupi - wie es ist

Arbeit

Ich habe ja letzten Herbst begonnen in einer Arztpraxis zu arbeiten. Die war klein und muckelig, mit kurzen Laufwegen, viel Schreibtischarbeit und Zeit für Gespräche. Man sagte mir zu Beginn, dass man umziehen wolle. Doch die Dimension war mir nicht klar, wir arbeiten jetzt ständig zu Zweit oder zu Dritt, statt allein. Es sind mindestens zwei Ärzte da, an manchen Tagen auch noch weitere Doktoren zu Gastsprechstunden. Die Räumlichkeiten sind sicherlich fünfmal so gross, die Wege weit, wir machen viel mehr assistierte Untersuchungen und Therapien.
Ich weiss nicht.
Es gibt Tage, an denen würde ich gerne aufgeben und wieder zuhause bleiben. Doch was macht das mit meinem Selbstwert? Und die BU-Rente rückte damit wieder in weite Ferne.

Eingangshalle Arbeit - ein Jahr Corona als Familie und als Lupi - wie es ist

Ganz persönlich

Für mich selbst war es ein anstrengendes und forderndes Jahr mit sehr viel Reflexion, sehr viel Erkenntnis und wenig Fortschritt. Ich fühle mich – noch stärker als sonst – in meiner Selbstwirksamkeit eingeschränkt. Ich konnte viele Prozesse, Abläufe, Automatismen durchschauen, endlich erkennen. Doch ändern kann ich fast nichts und selbst wenn ich Dinge ändere, sind sie nicht zwingend eine Verbesserung (s. Arbeit ;)).
Der Schub in Kombination mit einer massiven Beziehungskrise hat mich an meine Grenzen gebracht und ich suche noch immer nach einem Ventil, um die Ereignisse des letzten Jahres zu verarbeiten.
Ich schaffe es immer öfter Momente und Augenblicke wahrzunehmen und mitzunehmen. Das ist sehr heilsam und hilfreich.
Meinen Körper empfinde ich als Katastrophe und kaum in den Griff zu bekommendes Ärgernis. Da muss ich noch einen Weg finden, besser damit klar zu kommen.
Mir hat das Reiten soooo gut getan und es fehlt mir sehr. Für mich war es eine tolle  und wirksame Möglichkeit abzuschalten.

Gesundheit

Im letzten Jahr habe ich zunächst alle ÄrztInnen gemieden.
Alle Kontrolltermine habe ich noch nicht nachgeholt, der Nephrologe und auch der Zahnarzt warten weiterhin auf mich – ups.
Alles andere konnte ich nach/mit dem Schub im letzten Sommer nicht mehr vermeiden. Dazu noch die Thrombose, die Therapieumstellung mit zahlreichen Laborkontrollen und meine Lungengeschichte, die ich nach Ansicht der Rheumatologin nicht mehr weiter ignorieren durfte.
So besuchte ich die Rheumatologin, die Hausärztin, einen zwei Pulmologen, eine Phlebologin, einen Orthopäden, erhielt ein Lungen-CT und eine Mammographie, eine Gynäkologin und die Kieferorthopädin mit einzelnen Kindern.

Schub, Kühlung benötigt - ein Jahr Corona als Familie und als Lupi - wie es ist

Ansonsten mehr Garten, mehr Kilos, kein Bananenbrot, normaler Klopapierverbrauch, keine Hamsterkäufe, mehr Stromverbrauch, keine grösseren Renovierungen, nicht mehr Freizeit, keine Langeweile, kein Homeoffice. Wird schon.

 

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