Alltagsgeschichten – Kontaktaufnahme mit einem Therapeuten oder die Geschichte vom kleinen schwarzen Käferchen

Eigentlich wollte ich mich über Psychodrama informieren und nachdem ich den ersten Therapeuten konsultiert hatte, war mir klar, dass dieser nicht der Richtige für mich isti, denn er überschritt am laufenden Band Grenzen und testete mich ungeniert und in unverschämter Weise, obwohl ich zum Erstgespräch gekommen war und solch ein Verhalten in eigenen Kreisen als „unprofessionell“ bezeichnet wird. Zur Vertrauensbildung war dieses Verhalten und Vorgehen absolut ungeeignet. Und, wenn ich mir die Frage erlauben darf: Warum nur kleiden sich so viele Therapeuten schlichtweg zum Abgewöhnen??? Also meine inzwischen gefundene Therapeutin ist immer wie aus dem Schächtelchen und ein echtes Vorbild für mich. Jemand, an dem ich mich auch in diesen Dingen orientieren und lernen darf.

Nun wie dem auch sei, von diesem „Herrn Therapeuten“ erhielt ich eine Empfehlung für einen anderen Therapeuten, der eine Psychodramagruppe hat. Ein Anruf bei diesem mit kurzer Erklärung worum es mir geht, brachte einen Termin zustande und ein paar Tage später stand ich da in den Gassen der kleinen Universitätsstadt und kam mit dem verwirrenden Straßenbezeichnungssystem nicht zurecht. Da ich wert auf Pünktlichkeit lege, das Haus zwar gefunden hatte, aber nicht den Namen, rief ich über Mobiltelefon an. Ein paar Minuten später hatte ich ihn dann auch entdeckt, er winkte zum Fenster heraus und so konnte ich direkt hingegen. Im Stillen wunderte ich mich jedoch, warum diese eigentlich richtige Hausnummer, in der richtigen Straße zur anderen Querstraße gehörte und dieselbe Hausnummer, an einem anderen Haus vier Häuser weiter oben ist und ich auf dem Weg dahin nochmals eine Straße überqueren muss. Im Mittelalter müssen andere Bezeichnungssysteme benutzt worden sein oder die Stadtverwaltung hat schlicht und ergreifend geschlafen oder einen über den Durst getrunken gehabt bei dieser Entscheidung.

Eine alte Haustür ließ mich in einen ebenso alten, düsteren, engen, vollgestellten Hausflur ein. Irgendwo ging eine Tür auf, durch die ich dann auch eintreten durfte und dem Herrn Dr. Therapeuten gegenüberstand, in einem kleinen schmalen, schlauchförmigen, wenig ansprechenden Flur. Gegenseitiges Vorstellen,“Hoffentlich stelle ich mich beim Gespräch nicht auch so blöd an, wie gerade eben.“ grinste ich. Hände schütteln, keine weitere Reaktion. Er führte mich in ein schönes großes Zimmer, ausgelegt mit einem hochempfindlichen hellen Teppich. Da kam auch schon der Hinweis, ob ich wohl meine Schuhe ausziehen könne. Kein Problem. Das Barfußlaufen über diesen Teppichboden muss himmlisch sein. War es auch 🙂 Während der Therapeut in einem anderen Zimmer noch etwas zu erledigen hatte und so nach und nach seine Utensilien zusammensuchte, ging ich im Zimmer umher und schaute mir an, was da so alles hing und stand. Es hat mich nicht wirklich interessiert, aber so konnte ich den Flauschteppich noch ein wenig genießen!

Endlich kam der Therapeut ins Zimmer, ohne Schuhe, auf etwas ausgebeulten Strümpfen in „Windelinhaltfarbe“ 😉 und setzte sich mir gegenüber. Dann sprang er wieder auf, schloss das noch immer offene Fenster, setzte sich wieder hin, sprang erneut auf, ging nochmals raus etwas zu holen was er für die Stunde brauchte und dann endlich ließ er sich in seinem Sessel nieder.

Er nahm seine Schreibkladde zur Hand, kuschelte sich in seinem Sessel etwas bequemer hin und pustete einen kleinen schwarzen Käfer völlig selbstvergessen von den Unterlagen. Der kleine Schwarze hatte sich wohl durch das offene Fenster hereingewagt und fand es auf den hellen Unterlagen ganz hübsch. Schwarz und weiß gibt aber auch einen wirklich schönen Kontrast. 🙂

Nachdem der Therapeut den Käfer runtergepustet hatte, musste er nun wiederum nach ihm suchen, denn da war ja noch die Geschichte mit dem hochempfindlichen hellen Teppichboden und wenn da der schwarze Käfer rumkrabbelt und vielleicht sogar zertreten wird, dann….. nicht auszudenken, was dann mit dem schönen, hellen, hochempfindlichen Teppichboden alles sein konnte. Gemeinsam schauten wir nach dem Käferchen, entdeckten es dann unter des Therapeuten Sessel und beruhigt kuschelte er sich in seinen Sessel zurück und war nun bereit, mir seine volle Aufmerksamkeit zu schenken….

Nane, Frühjahr 2003

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