Alltagsgeschichten – Meine liebste Behörde: BfA

25. März. Ich habe noch immer nichts von der BfA bekommen. Meine Zeitrente läuft Ende des Monats aus. Was ist denn los, ich habe doch alle Fristen großzügig eingehalten, keinen Dreck oder Ärger gemacht, alles rechtzeitig beantragt, alle Forderungen prompt erledigt und nun sitze ich da und weiß nicht wie es weitergehen soll. Anruf bei der BfA: Wow, ich komme sogar durch – das hat Seltenheitswert. Auskünfte kann ich jedoch keine bekommen, die Sachbearbeiterin ist nicht da und jemand anders kennt sich da wohl nicht aus. „Rufen Sie nochmals an.“ Okay, kann mal passieren. Nochmals angerufen: Diesmal ist sie da und sagt, dass meine Akte vom medizinischen Dienst noch nicht zurück sei, sie kümmere sich, ich solle kommende Woche nochmals anrufen, falls bis dahin noch kein Bescheid da sei. 

Inzwischen ist Dienstag, 30. März. Noch nichts gehört, kein Brief von der BfA, keine Zahlung mehr eingegangen, ich sitze auf dem Trockenen und kann gar nicht verstehen, warum ich noch keinen Bescheid bekommen habe. Ist der vielleicht in der Post verloren gegangen? Wieder Anruf bei der BfA. Die Dame am anderen Ende ist sehr nett, sehr eifrig und sehr unwissend: Die Sachbearbeiterin sei ein paar Tage nicht da, ich möge doch bitte übermorgen nochmals anrufen, nein, ein Bescheid sei noch nicht an mich raus gegangen, sie könne mir aber leider nicht weiterhelfen. Nun das verstehe ich nun gar nicht, die Sachbearbeiterin hatte im Gespräch vergangene Woche nicht erwähnt, dass sie ein paar Tage Urlaub macht und in dieser Zeit natürlich nichts passiert. Ich weiß gar nicht, wie ich damit umgehen soll und erzähle meiner Ärztin davon. Die schlägt mit der Faust auf den Tisch und ärgert sich mal wieder über den Amtsschimmel, der in meinem Fall bisher immer besonders langsam ist und besonders laut wiehert. Wenn es nicht so schwerwiegend wäre, wäre es schon wieder erheiternd. Die BfA und ich sind irgendwie nicht besonders kompatibel. 

Zwei Tage später, 1. April. Nun bin ich nicht mehr berentet und hänge in der Luft, weiß nicht, was ich denn nun tun muss und keiner kann mir was dazu sagen. Ich telefoniere wieder mit der BfA, einmal quer durch Deutschland. Was täte ich nur ohne Telefon? Ein Hoch auf die Telekomiker! 

Die Sachbearbeiterin ist da, hurra. Jetzt wird sich alles klären. Pustekuchen, zu früh gefreut. Ja die Akte sei da, aber sie dürfe mir den Entscheid nicht mündlich sagen. Es geht hin und her und sie meint dann, sie wisse ja nicht, wann ich den Antrag gestellt hätte. Nachtigall, ich hör‘ dir trapsen. Könnte es sein, dass da jemand seine Nachlässigkeit auf mich abwälzen und mir ans Bein pinkeln will? Ich teile das genaue Datum mit, Schweigen auf der anderen Seite und dann sagt da die ‚Dame von der BfA‘: „Sie müssen da Verständnis haben, das braucht seine Zeit bis die Termine für die Gutachter, deren Antworten und das alles erledigt ist.“ Das ist so unverschämt, dass es mir die Sprache verschlägt. Hilfe, das ist doch nicht mein Problem, darum muss sich die BfA kümmern. Da wird doch schon wieder etwas auf meinem Rücken ausgetragen, was da gar nicht hingehört ! Sie meinte dann noch, sie würde schauen, dass sie das noch heute fertig macht, mit ein bisschen Glück hätte ich den Bescheid noch vor Ostern (11./12. April). Auf meine Frage, ob ich zum Arbeitsamt gehen und mich arbeitslos melden sollte, um dann nicht ohne jegliches Einkommen dazustehen, erwiderte sie: „Dann dauert das alles noch länger.“

Hallo? Ich glaube ich höre nicht richtig. Die von der BfA gesetzte Frist beträgt vier Monate. Die habe ich locker eingehalten. Die BfA hat die Geschichte mit den Terminen und den Gutachtern nicht auf die Reihe gekriegt und sich jede Menge Zeit gelassen mit der Entscheidung über diesen Vorgang. Allein im allerletzten Abschnitt in dem ich zu hören bekam: „Ich schaue, dass ich das heute noch fertig mache.“ haben sie sich enorm Zeit gelassen. Diese Aussage kam am 1. April (kleiner Aprilscherz?). Durch den Frankaturautomat wurde der Brief allerdings erst am 13. April gejagt. Wie kommt es, dass andere die Entscheidungen innerhalb zwei Monaten kriegen und bei mir kommen sie nicht mal damit zu Potte, einen Brief in einer angemessenen Zeit wegzuschicken? Ich werde einfach in der Luft hängen gelassen und soll dafür auch noch Verständnis aufbringen? Es wird hier doch wohl nicht mit zweierlei Maß gemessen? Oder….. doch?

Hallo? Ich glaube, ich kriege die Vollkrise. Muss ich mich beim Arbeitsamt nun melden? Jeder Tag, den ich mich später melde bedeutet, dass ich für diesen Tag kein Geld mehr kriege und alle Versicherungen ausgesetzt sind – kann mir jemand sagen, wovon ich meine Lebenshaltungskosten bezahlen soll? Wir sind in Deutschland, da ist alles reglementiert. Und wer trägt die zusätzlichen Kosten, die mir entstehen? Was ist mit der seelischen Belastung, die da ja auch noch dranhängt? 

Aber wenn ich mich beim Arbeitsamt melde, dann gibt es Verwirrungen mit der BfA und dann dauert alles noch länger. Ich kann es drehen und wenden wie ich will: Die A-Karte habe ich und das volle Risiko liegt ebenfalls bei mir ! Hier wird mir mal einfach so geschwind und ungerührt meine Lebensgrundlage entzogen. Dabei habe ich meinen Part vorzeitig und voll erfüllt. Irgendwie bin ich schrecklich naiv und kann gar nicht begreifen, wie man sich bei so einer für den Anderen überlebenswichtigen Sache so verantwortungslos verhalten kann. Soll ich schon mal schauen, wo das nächste Pfandleihhaus ist und was ich hinbringen könnte?

Dann kam der Bescheid und ich konnte es nicht glauben: Diesen ganzen Mist und Nervenkrieg dafür, dass die hohen Herrschaften mir weitere neun Monate Zeitrente gewähren. (Hatte der Gutachter nicht erzählt, er würde zwei Jahre befürworten?) Im Klartext heißt das, dass bereits in vier Monaten alles von vorne losgeht und ich mich wieder durch alles durchquälen darf. Kann mir einer mal erklären, wie ich mich da auf meine Therapien konzentrieren und Fortschritte machen soll, wenn ich nach ungefähr vier Monaten bis zum Bescheid schon wieder den Psychostress habe, ob die BfA den Durchblick kriegt oder nicht und ob sie gewillt ist, meine Angelegenheit genauso zügig und korrekt zu bearbeiten wie die derjenigen, die nur zwei Monate warten müssen? Und die Gelder, die da verschlungen werden? Das, was die – wohlgemerkt fachfremden – Gutachter bisher finanziell verschluckt haben (ich denke nur an die ganzen reichlich unnötigen Röntgenbilder, von der Strahlenbelastung ganz zu schweigen), reicht mir ein paar Monate zum Leben. Mir ist das Prinzip irgendwie nicht klar. 

Kuckuck, ich bin wirklich krank. Ich mache keinen Spaß und veräppele euch auch nicht. So vom Leben abgeschnitten zu sein ist nicht lustig. Jeden Tag schlucke ich elf Präparate teilweise in einer Dosierungshöhe, dass einem bei näherer Prüfung eigentlich die Haare zu Berge stehen müssten. Das sind keine Bonbons, diese „Pillen“ haben Auswirkungen und Risiken. So was schluckt Mensch nicht zum Vergnügen!

Prüft ihr eigentlich wirklich? Und nach welchen Kriterien? Wer sich am schlechtesten wehren kann, wird sofort abgelehnt oder auf die lange Bank geschoben? Ich verkrafte keine Belastungen – auch nicht die immense Belastung, die ein Gutachterbesuch, geschweige denn mehrere, darstellt. Danach bin ich erst mal für ein Weilchen auf Eis und meine Ärzte und Therapeuten haben alle Hände voll zu tun, mich einigermaßen wieder hinzukriegen.

Was ich noch fragen wollte: Entschuldigung, was sollte ich eigentlich beim Orthopäden? Meinen Knochen geht es noch hinreichend gut – Gott sei Dank. Das hätten Ihnen alle behandelnden Ärzte sagen können! Warum reichen eigentlich die Aussagen der Ärzte, die ständig mit mir umgehen und wirklich im Bilde sind nicht zur Entscheidungsfindung aus?

Hallo BfA? Vielleicht ist Ihnen noch nicht aufgefallen, dass ich ein Mensch bin, kein Stück Papier bzw. eine Nummer und schon gar kein Almosenempfänger bzw. Schnorrer. Ich habe viele Jahre meines Arbeitslebens regelmäßig in eine Rentenversicherung investiert. Huhu, da gehört mir was, damit habe ich mir Anrechte erworben. Und vielleicht könnten Sie sich zu der Erkenntnis durchringen, dass Sie über Lebensschicksale entscheiden und ein bisschen achtsamer mit mir umgehen? Dem Rechnung tragen, dass da ein Abhängigkeitsverhältnis besteht, dem ich zunächst wehrlos ausgeliefert bin. Vielleicht kann ich mich ja dieses Mal dazu durchringen, Ihnen so auf die Nerven zu gehen, dass Sie es tatsächlich auf die Reihe kriegen, die Entscheidung vor allem rechtzeitig zu fällen (wie wäre es Anfang Dezember?), auch wenn mir das „auf-die-Nerven-gehen“ überhaupt nicht entspricht. Ich bin nämlich ein ruhiger, zurückhaltender Mensch, sehr ruhebedürftig und darin geschult, Konflikte sachlich zu klären. Aber wenn das dazu führt, dass ich über den Tisch gezogen werde und Gift-und-Galle-spucken eher zum Ziel führt, dann werde ich das lernen oder sofort mit dem Rechtsanwalt an der Seite auftauchen müssen.

Ach ja: bitte denken Sie rechtzeitig daran, dass Ihr Brief tatsächlich 14 (!) Tage benötigt, vom Sachbearbeiterschreibtisch über die Poststelle durch den Frankaturautomat, von da zur Post und von der Post bis zu meinem Briefkasten. In der Zeit, wo das Brieflein in Ihrem Hause rumtourt, könnte man locker von Berlin bis zu mir ins Musterländle marschieren, zu Fuß versteht sich. Die Post selbst braucht nämlich nur ein bis zwei Tage.

Morgen gehe ich aufs Rathaus, den Antrag auf Verlängerung zu stellen. Knapp fünf Monate vor Ablauf. Einen eher als vorgeschrieben. Ob es diesmal reicht für den rechtzeitigen Bescheid? Mir zittern jetzt schon die Knie, was da auf mich zukommt. Ostern war mehr als bescheiden – mal schauen, wie Weihnachten dieses Jahr wird……

Nane

P.S.: Heute habe ich von einer „Leidensgenossin“ erfahren, die ebenfalls Antrag auf Verlängerung der Zeitrente gestellt hatte. Zeitaufwand von Antragstellung bis Bescheid: 3 (in Worten: drei) Wochen – berentet für weitere 2,5 Jahre ! Uiuiuiuiui……

von Nane

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