alternative Versuche – TCM-Klinik

TCM-Klinik Bad Kötzting
Babette

Ich verbrachte im November 2007 vier Wochen in der Klinik für Chinesische Medizin in Bad Kötzting an der tschechischen Grenze in Oberbayern. Ich hatte den Klinikaufenthalt im März bei der Techniker Krankenkasse beantragt. Begründung: Systemischer Lupus Erythematodes und sekundäres Anti-Phospholipid-Syndrom. Aufgrund meines Alters (40 Jahre) wollte ich die Nebenwirkungen schulmedizinischer Mittel vermeiden, da ich im Jahr zuvor unter Cortisongabe eine Thrombose erlitten hatte. Im Juni kam dann ein abschlägiger Bescheid, zwei Tage zuvor ein Anruf von der Techniker, der diesen ankündigte. Die Dame am Telefon meinte, dass ich es mit einer Rheuma-Klinik probieren sollte. Ich argumentierte eine dreiviertel Stunde lang dagegen, dass ich Angst vor den Nebenwirkungen hätte und zu jung zum Sterben wäre. Sie riet mir, Widerspruch einzulegen, der eine Einzelfallentscheidung ermöglichen würde. Drei Tage nach Einlegen des Widerspruchs kam dann die Zusage für November. Die Techniker übernimmt problemlos vier Wochen und nicht drei wie die anderen gesetzlichen Kassen. Bei privaten Kassen gibt es wohl Probleme mit den Zusatzversicherern.

Zu diesem Zeitpunkt war der Lupus und das APS bei mir schon ein Jahr diagnostiziert. Nach der Anfangsdiagnose in der Rheumaambulanz der Uni-Klinik Gießen im Juni 2006 bekam ich 40 mg Cortison absteigend, mit der Empfehlung Lantarel einzunehmen. Da ich bis zu diesem Zeitpunkt nie Tabletten einnehmen musste, war ich sehr niedergeschlagen und hatte Angst davor. Vor allem weil ich unter Cortisongabe nach zwei Monaten eine Thrombose erlitt. Ich hoffte mit Hilfe der TCM auf die Medikamente verzichten zu können, wo es doch schon vorher mit dem Heilpraktiker nicht geklappt hatte (Eigenblutbehandlung, Ziegenkolostrum, Darmsanierung…führten bei mir zur Verschlimmerung meiner Gelenkschmerzen). Im Juli bekam ich dann einen einwöchigen Fieberschub, woraufhin ich doch wieder mit Cortison 20 mg absteigend anfing und mich auf Quensyl einstellen ließ. Diese Medikamente nahm ich auch während des vierwöchigen Aufenthalts weiter, sowie mein Marcumar.

So fuhr ich mit dem eigenen Auto nach Kötzting, ein Parkplatz ist hinter dem Haus vorhanden. Die Visite erfolgte mit dem deutschen, sehr netten Chefarzt und dem Chinesischen (mit Dolmetscherin), der sehr reserviert und unfreundlich schien. Ich machte die Herren auf meinen Lupus aufmerksam und dass sie doch bitte langsam anfangen sollten, um keinen Schub auszulösen. Daraufhin ließ der chinesische Chefarzt ausrichten, er kenne sich mit der Krankheit aus (was ich ehrlich gesagt nicht glaube). Der deutsche Chefarzt hatte nicht viel Ahnung davon, gab dies aber unumwunden zu und zeigte sich sehr interessiert.Die Stationsärztin (Chirurgin) was super nett und sehr vorsichtig, sie rief meinen Rheumatologen an, weil sie die Krankheit nicht kannte.

Ich sollte zwei Mal am Tag einen speziell für mich zubereiteteten chinesischen Heilkräutertee trinken, bekam drei Mal in der Woche Akupunktur und hatte Einzel-Qui-Gong( das ist so etwas wie Heilgymnastik mit Energieübertragung durch Handauflegen). Nach der ersten Teegabe ging es mir nicht gut, ich bekam Durchfall und den Schmetterling ins Gesicht und bekam natürlich eine Heiden Angst, woraufhin ich die zweite Gabe wegschüttete und erst mal mein Leibgericht essen ging: Kässpätzle und ein kleines Bier, danach ging es mir wieder gut. Ich dosierte in den nächsten Tagen die Teegaben selbst, fing langsam an und steigerte die Dosierung täglich, das funktionierte gut. Die Akupunktur war schmerzvoll, verringerte aber meine Gelenkbeschwerden. Das Einzel-QuiGong löste nach dem ersten Mal große Schmerzen und eine riesige Müdigkeit aus, was sich aber nach dem zweiten Mal gab und sich in das Gegenteil verkehrte, es ging mir immer besser. Zwei Mal am Tag machten wir QuiGong (heilgymnastische Übungen in der Gruppe), was die Beweglichkeit meiner Gelenke stark verbesserte. Das Essen war exzellent, edle Vollwertkost, am Tisch serviert, mit Stoffservietten und allen drum und dran. Ich machte täglich Ausflüge in die verschneite Umgebung und so entwickelte sich der Klinik-Aufenthalt zum Kururlaub, der mich in meiner Gesamtkonstitution sehr gestärkt hat.

Im Laufe des Novembers 2007 hatte ich das Cortison abgesetzt, merkte aber, dass ich das Quensyl nicht vertrug, so dass ich dieses im Dezember dann auch absetzte. Die Schmerzen wurden daraufhin wieder schlimmer, ich hatte Gelenkschmerzen an Händen und Füssen und Probleme mit den Bändern. Im Februar 2008 nahm ich wieder Cortison 20 mg absteigend und beschloss die alternativmedizinische Seite in meinem Lupusbuch zuzuschlagen: Ich ging zu einem sehr netten und kompetenten jungen Rheumatologen, Dr. Nottarp in Hanau, und ließ mich im März auf MTX einstellen mit 5 mg Cortison täglich, was ich bis jetzt sehr gut vertrage. Vielleicht geht es mir im Moment so gut, weil es Zufall ist, vielleicht aber auch, weil mich die chinesische Medizin gestärkt hat und so die Tabletten ihre volle Wirksamkeit entfalten können, ich weiß es nicht; empfehlenswert ist der Aufenthalt in der TCM-Klinik in Bad Kötzting allemal. Und das QuiGong mache ich immer noch, es tut wirklich gut und erhält die Beweglichkeit.

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