SLE und Schwerbehinderung

Schwerbehinderung ist ein häufiger Suchbegriff hier im Blog, deshalb möchte ich Euch heute ein bisschen was zur Antragstellung erzählen. alter Rollstuhl

Zu den Grundlagen in D habe ich hier schon sehr ausführlich geschrieben. Und auch für Österreich gibt es eine tolle Aufstellung!

Ich habe einen Schwerbehindertenausweis  – seit einigen Jahren auch unbefristet – mit einem GdB von 50. GdB heisst Grad der Behinderung und die Behinderung wird nicht prozentual gemessen, wie oft fälschlich geschrieben wird. Es gibt auch keine festgeschriebenen Grade pro bestimmter Krankheit. 

Der GdB soll ausdrücken wie hoch der individuelle Nachteil des Antragstellers  in der Teilhabe am alltäglichen Leben durch seine Erkrankung/Behinderung ist. 
Bei einer Krankheit wie Lupus (oder Krebs, MS, was auch immer) ist jeder Patient  unterschiedlich betroffen und leidet unter ganz verschiedenen Folgen und Beeinträchtigungen. Da die Beurteilung nach Aktenlage erfolgt, ist es für die Beantragung unerlässlich, neben dem Nachweis der entsprechenden Diagnosen, die individuellen Einschränkungen exakt zu formulieren!

Als ich 2001 meinen Antrag einreichte, füllte ich das Formular aus, legte die vorhandenen Arztbriefe bei und wartete auf das Resultat. Meinem Antrag wurde stattgegeben, allerdings mit einem GdB von 30. Ich legte Widerspruch ein und fügte eine Liste meiner tatsächlichen Einschränkungen bei, die sich ja aus den Berichten oder Diagnosen nicht unbedingt rauslesen lassen und erreichte eine dauerhafte Bewilligung von GdB 50. 
Inzwischen müsste ich mich sicherlich neu einstufen lassen, scheue aber bisher den Aufwand… 

Wenn Ihr den Antrag einreicht fügt am besten gleich alle relevanten Arzt- und Krankenhausberichte zu. So muss das Versorgungsamt nicht erst anfordern und es kann nichts vergessen werden.
Desweiteren sollte man eine Aufstellung den einzelnen Beschwerden und Symptomen machen und die verbundenen Folgen und Einschränkungen auflisten. Wichtige Hinweise für die Einstufung sind z.B. die Belastbarkeit, Einschränkungen bei der körperlichen Pflege oder Verrichtungen im Alltag / Haushalt. Eine Gliederung könnte so aussehen:

1. Diagnose
a. welche Symptome
b. Häufigkeit der Beschwerden/Begleiterscheinungen/Folgen/Einschränkungen

zum Beispiel:

  1. syst. Lupus erythematodes mit Gelenkschmerzen, Sicca-Syndrom, Schmetterlingserythem und Sonnenempfindlichkeit
    infolge der Gelenkschmerzen an Knien, Händen und Hüften ist es mir dauerhaft nicht möglich dies und das zu tun, zeitweise kann ich auch dieses und jenes nicht und mindestens einmal wöchentlich ist es mir nicht möglich jenes und welches zu tun
    infolge des Sicca-Syndroms und der damit verbundenen Austrocknung von Augen und Nase muss ich ständig Augen- und Nasentropfen benutzen, muss eine Sonnenbrille tragen, kann mich nicht in klimatisierten Räumen aufhalten, usw. usf,
    infolge des Schmetterlingserythms und der Sonnenempfindlichkeit benötige ich diese und jene Salben, welche mehrmals täglich hier und da aufgetragen werden müssen, trage ich Sonnenschutz, Schutzkleidung, kann ich mich im Sommerhalbjahr  tagsüber nicht draussen aufhalten etc. pp.
  2.  weitere Diagnose
    Aufschlüsselung der Folgen mit Angabe der Häufigkeit und Einschränkung
  3. usw.

In meinem Antrag standen 2001 u. a. Gelenkschmerzen, ständige Übermüdung und eingeschränkte Belastbarkeit, eingeschränkte Konzentrationsfähigkeit, Haut- und Haarprobleme, Sicca-Symptomatik, Morgensteifigkeit, Medikamenten- nebenwirkungen, Sonnenempfindlichkeit, Muskelkrämpfe, Aphten.
Weitere „Klassiker“ bei Lupus sind sicherlich: Fieber, Raynaud-Beschwerden, Kopfschmerzen/Migräne, Nackenschmerzen,  Rückenschmerzen, Muskel-probleme, Organbeteiligungen und ihre Auswirkungen, Ödeme, Kortisonakne, Cushing-Syndrom, usw. 

Einige Anhaltspunkte zur Beurteilung findet Ihr z. B. auf der Seite Versorgungsmedizinische Grundsätze
Aber nicht vergessen: Ihr könnt keine Diagnosen aufaddieren, es zählen nur die individuellen Einschränkungen, die sich aus allen festgestellten Erkrankungen ergeben!