SLE und Schwangerschaft – Antje, Kind 3

Nachdem Teil 1 unseres Selbstversuchs bald eingeschult wird und auch Teil 2 sich wirklich hervorragend entwickelt, haben wir uns zu einem letzten Versuch entschlossen, der in wenigen Wochen zur Welt kommen wird :).

Ich werde diesen Bericht nicht ganz so ausführlich halten, wie die ersten beiden Teile, es ist nichts wirklich aufregendes passiert und – Zeitmangel sei Dank – ich habe auch kein detailliertes Tagebuch geführt, so dass ich alles ein wenig raffen werde.

Im August 2009 kommt mir beim Frühstück der Gedanke, dass meine Befindlichkeitsstörungen der letzten Tage evtl. nicht lupelig sind, sondern auch eine Schwangerschaft vorliegen könnte. Das haben wir so nicht detailliert geplant, wohl aber in einem Einzelversuch wohlwollend in Kauf genommen ;).
Es ist wie es schon zweimal zuvor war – der Test ist positiv, wir sind schwanger! 

Ich warte noch ein paar Tage ab, dann meldete ich mich bei einer Gynäkologin. Natürlich wieder eine neue Ärztin, die von der ersten Schwangerschaft ist ja irgendwie nicht mehr tätig und keiner wollte mir Auskunft geben, wo sie denn nun ist und den Arzt in der 2. Schwangerschaft mochte ich nicht wirklich. Selbstverständlich wollte ich mich in der Zwischenzeit längst um einen neuen Arzt bemüht haben, aber es ist beim Vorsatz geblieben.

Naja, auf ins Abenteuer… Ich bekam ziemlich schnell einen Termin, die Schwangerschaft wurde bestätigt, mit Lupus und der Medikation hatte sie kein Problem, solange die Uni mitbetreut, alles in allem ein erfreulicher Arztbesuch in einer schönen Praxis mit netter Ärztin.

Nun dachte ich – verwöhnt nach 2 problemlosen Schwangerschaften – fein, 9 Monate Wohlbefinden bei wachsendem Bauch ;)… Tja, da hatte ich mich geschnitten. Seit nun einem halben Jahr plagen mich Befindlichkeitsstörungen jedweder Art, von Übelkeit bis Symphysenschmerzen, von grippalen Infekten bis zu Magen-Darm-Geschichten, PUPP – eine Art Schwangerschaftsallergie mit fiesen Juckreiz, Stimmungsschwankungen vom Allerfeinsten, Rückenschmerzen, Hüftschmerzen, ach was weiss ich. Letztendlich habe ich jeden Tag  ne neue Pest. Der Witz an der Sache ist, dass der Lupus trotz allem die Füsse ganz brav still hält, mein Immunologe mich langweilig findet und keiner versteht, warum ich nicht rundrum zufrieden bin ;), wo meine Grunderkrankung doch so kooperativ ist.

Ich denke, dass ist nun die Schwangerschaft zum Abgewöhnen 😉 und ich freue mich, wenn in ein paar Wochen unser neustes Familienmitglied bei uns einziehen und bei mir ausziehen wird.

Nachdem nun bei besten Befinden die Woche 37+0 erreicht ist, kann sich Zwerg 3 langsam wirklich mal auf die Reise machen :). Die Vorbereitungen – die sich dieses Mal in engen Grenzen hielten – sind abgeschlossen, der Lupus ist weiterhin brav. Ansonsten empfinde ich die letzten Wochen als mega-anstrengend, ich bin kurzatmig, habe immer mal wieder unregelmässige Wehen, Rücken- und Symphysenschmerzen, die Infekte geben sich die Klinke in die Hand, so dass ich die Zeit nicht wirklich geniessen kann. Ich hoffe, dass sich nach der Geburt die relative Stabilität wieder einstellt und ich wieder ein bisschen tatkräftiger werde. 

Die grossen Brüder werden nun auch langsam ungeduldig, die Oma ist in Abrufbereitschaft, die Tasche gepackt. Ich bin gespannt, wie unsere dritte Auflage aussehen wird und auch wie sich die Geburt dieses Mal gestalten wird. Theoretisch ist angedacht ambulant zu entbinden, mein Immunologe hat mir sein Okay gegeben, mal sehen, wie ich das nach der Geburt sehe ;).

Sooooooo… am 02.05.2010 kam unser Matti zur Welt :). 50 cm klein und 2920 g leicht, gut zwei Wochen vor Termin, aber das kennen wir ja schon so. 

Die Geburt war kurz und nicht schmerzlos ;). Am Sonntag nachmittag hatte ich meine grossen Jungs raus geschickt, um ein bisschen Ruhe zu haben. Sie waren nicht lange weg, als die Fruchtblase platzte und ich mit nasser Hose darstand… Telefon geschnappt, Männer zurückbeordert und gleichzeitig meine Mutter alarmiert, damit sie kommt und Paul und Mika mitnimmt. Brav alles aufgeputzt, die letzten Dinge in die Tasche gepackt, dann trafen schnell nacheinander meine Männer und meine Mutter ein. Wir sind dann gleich los ins Krankenhaus gefahren und auf der Fahrt stellten sich dann auch die ersten Wehen ein. Kann mir mal einer verraten, wie man die Zufahrt zu einer Frauenklinik mit KOPFSTEINPFLASTER pflastern kann….? Wir fuhren durch eine Schranke auf den Parkplatz, welcher sich als gesperrt herausstellte, Wenden konnte man dank einiger Baustellen auch nur unter Schwierigkeiten, ich hab gelacht, Steffen wurde hibbelig *g*… Gegen 18.00 kamen wir richtig an, nach CTG und Formalitäten durften wir in den Kreisssaal umziehen und dann ging es dann auch schnell zur Sache. Um 21.48 war Matti da und ich sehr erleichtert, diese ziemlich anstrengende Schwangerschaft hinter mich gebracht zu haben. Mein Wunsch nach Hause zu gehen stiess erst auf leichte Ablehnung, wurde dann aber doch gehört. Wir mussten dann noch 4 Stunden „zur Beobachtung“ bleiben, in denen nur wir unseren Sohn beobachteten und Hunger schoben und sind dann heimwärts gefahren.

Nach einem späten Imbiss war ich superfroh in mein eigenes Bett fallen zu dürfen und würde mich immer wieder für eine ambulante Geburt entscheiden. Am nächsten Tag trudelten dann die grossen Brüder und die Hebamme ein, Matti schlief und trank brav, alles prima.

Mir geht es jetzt – vier Wochen später – wieder sehr gut. Die Beschwerden der Schwangerschaft und des Wochenbetts sind erledigt, der Lupus ist weiterhin ruhig. Matti ist ein ganz lieber und ruhiger Junge, der unseren turbulenten Alltag gut mitmacht. 

Ich denke, dass war es von der Schwangerschaftsfront von uns 🙂 – der nächste Erfahrungsbericht handelt vielleicht vom Leben mit 3 Kindern unter 7 oder so – vielen Dank für Euer Interesse!

 

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