Alltagsgeschichten – Ein Lupi macht Salat

Eben noch dachte ich, der Fuß täte mir weh, aber jetzt hab ich keine Lust vom Küchenstuhl aufzustehen. In der Ecke läuft der Fernseher. Ich möchte zumindest ein bisschen von der Politik mitbekommen, wenn ich schon keine Zeitung lese. Salat machen, denke ich mir, wäre eine gute Idee, den frischen, grünen Salat. 

In meiner kleinen Küche sind die Wege kurz. Der Salat liegt im Gemüsefach. Ich habe ihn gleich nach der Arbeit, auf dem Weg nach Hause gekauft. Ich kaufe immer auf dem Weg von der Arbeit nach Hause ein. – Ein bisschen ärgere ich mich über mich selbst, weil ich den Salat nach dem Einkauf in den Kühlschrank gelegt habe. Aber ich konnte ja nicht wissen, dass ich ihn heute noch essen werde. Für mich ist es einfacher, die Dinge gleich an den richtigen Ort zu legen; so gammelt nichts auf dem Tisch. Auch ist es bequemer Essen zu machen, wenn der Tisch schon frei ist.

Ich horche in mich hinein. Bleibe ich noch eine Weile bei dem Fernseher sitzen? Wenn ich keine Kraft mehr habe, hole ich mir Käse und Wasser oder Banane und Schokoladenpudding. Ich habe immer ,Schnellfutter‘ im Haus. Aber vielleicht habe ich nachher genug Kraft, den Salat zu machen, zu Essen, anschließend die Schüssel abzuwaschen? – Ich muss eine Entscheidung treffen.

Nach einer Weile fühle ich mich etwas erholter. Um doch noch Salat zu machen, muss ich gleich aufstehen und in Bewegung bleiben. Wenn ich mich wieder an meinen Küchentisch setze, muss alles erledigt sein. Ich hole die große Schüssel aus dem Schrank. Daneben stehen Essig und Öl. In der Schublade liegt die Gabel. Alles kommt auf den Tisch. Ich hole den Salat und die Schleuder. Die Schleuder kommt ans Spülbecken. Ich werfe den ganzen Salatkopf ins Spülbecken. Im Stehen sortiere ich die äußeren Blätter und schadhaften Stellen aus. Den Einsatz der Salatschleuder kann ich gleich zum Waschen der Blätter benutzen. Eine gute Erfindung, jedenfalls für mich. – Ich lasse die Blätter ein bisschen abtropfen und werfe die schadhaften Teile in den Bioeimer. Dann nehme ich die Schleuder, setze sie auf den Küchentisch, den Einsatz mit dem Salat hinein. Während ich den Salat schleudere, denk ich an meine Mutter, die alles im Sitzen und ganz langsam gemacht hat. Meine Salatschleuder funktionierte unter ihren Händen nicht. Wenn ich im Sitzen arbeite, überholt mich die Müdigkeit. Im Stehen bin ich schneller als sie, zumindest bis ich gar nicht mehr kann. 

Ich greife nach meiner großen Teetasse. Ich lange nach dem Teebeutel. Ich setze den Wasserkocher auf. Bis das Wasser kocht, mache ich die Salatsoße an. Mit der Soße in der Schüssel gehe ich an meine Gewürze. Kräuterhacken wäre wirklich zu viel. Das ist was für ganz gute Tage. Aber ich habe genug Auswahl von Getrocknetem. – Wieder einmal mit der Schüssel in der Hand umdrehen und aus dem Küchenschrank Brettchen und Messer holen. Dann mit all dem an den Tisch. Das Wasser kocht. Ich gieße den Tee auf.

Noch immer stehend rühre ich die Soße durch. Ich lege den Salat hinein, stelle die Schleuder zum Trocknen hin. Ich nehme den Teebeutel aus der Tasse. Ich hebe den Salat mehrmals durch. Dann muss ich nochmals an den Kühlschrank, Milch in die Teetasse gießen. Ich stelle die Milch zurück und hole dafür Margarine, Käse und Brot. Das Brot muss ich schneiden, was mir schon fast zu viel ist. Mit zwei Scheiben Brot, Käse und Fett gehe ich an den Tisch. Ich suche meine Brille zwischen all dem Zeug. Ich werfe noch einen Blick in die Fernsehzeitung. Gleich kommt ein schöner Film. 

Während des Films, während ich meine beiden Brote, Tee und Salat genieße, höre ich Nachbarn durch das Treppenhaus laufen. Ich bin froh, dass ich mich nicht wie früher zum Ausgehen zwingen muss. Meine Krankheit hat einen Namen bekommen. Die bleierne Müdigkeit ist ein Teil davon.

Saitenzart aus Berlin

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