SLE und Schwangerschaft – Antje, Kind 2

Tagebuch der 2. Schwangerschaft bei SLE und Myasthenia gravis

Nachdem Teil 1 unseres Selbstversuchs ja auf ziemlich positive Resonanz gestossen ist und auch wir mit dem Ergebnis äusserst zufrieden sind, gehen wir nun in Serie und haben Nr. 2 auf die Reise geschickt. Ich hoffe, dass alles so positiv verlaufen wird, wie beim 1. Mal und werde Euch hier von den Ereignissen unterrichten.

19.12.05
Vor ca. 1 Woche hatte ich alle „Start-Symptome“ meiner Periode, doch dann passierte einfach gar nichts. Nachdem sich nun auch noch meine Brust merkwürdig anfühlt, habe ich mir dann doch mal einen Schwangerschaftstest gekauft… positiv. Paul wollte dann auch gleich auf einen Stab pieseln und so war die Situation ins Absurde verdreht. Ich freue mich, wir haben nichts geplant, aber eventuellen Nachwuchs „billigend in Kauf genommen“ ;). Steffen habe ich diesmal gleich Abends mittels eines Geschenktütchens mit Babyschühchen, Test, Zettel mit Entbindungstermin und einem guten Schluck für die Nerven unterrichtet. Auch er freut sich, obwohl unsere beruflichen Umstände zur Zeit ziemlich verworren und offen sind.

Ich werde erst im neuen Jahr zum Arzt gehen. Ich muss zu einem neuen Gynäkologen, da die Ärztin meines Vertrauens leider nicht mehr praktiziert und ich mir ihre Nachfolgerin nicht über eine ganze Schwangerschaft antun will. Ich fürchte, dass meine Schwangerschaft wieder einige Unruhe bei den Ärzten auslösen wird und diesmal möchte ich die ersten Tage meiner Schwangerschaft einfach geniessen. Ich weiss, was ich darf und was nicht, die Unsicherheiten der ersten Schwangerschaft fehlen diesmal und ich denke, ich werde einiges entspannter und vielleicht auch schlauer machen können.

Ich erzähle Euch noch meinen Startstatus beim SLE:
Decortin 7 mg
Imurek 150 mg
Ideos Kautabletten

Meinen Magenschutz (Pantozol) habe ich jetzt erstmal weggelassen, das will ich erstmal mit den Docs besprechen, da ich das Medikament in der letzten Schwangerschaft noch nicht genommen habe.
Der Lupus ist in den letzten Wochen recht stabil gewesen. Im letzten Winter hatte ich eine ziemlich harte Zeit, die ich zwar nun lange überstanden habe, die dort verlorenen Kraftreserven konnte ich allerdings bei weiten noch nicht wieder aufholen.

Wirklich schwanger fühle ich mich noch nicht, mir ist morgens nach dem Frühstück leicht übel, aber das lässt sich mit Schwangerschaftstee gut im Griff behalten.

02.01.06
Heute war ich also beim Arzt, der uns die frohe Botschaft bestätigen konnte :). Der gute Mann war sehr gelassen – mal sehen, ob das so bleibt… ;). Nächste Woche gehe ich zu meinem Immunologen in die MHH und hoffe auch dort auf positive Resonanz zu stossen.
Ansonsten gibt es noch nicht viel zu berichten, in der 7. Woche ist eine Schwangerschaft eher unspektakulär. Der Lupus ist artig, ich bin ziemlich schlapp, aber Paul lässt mir nicht viel Zeit zum Ausruhen – ich glaube, die 2. Schwangerschaft wird um einiges anstrengender ;).

15.01.06
Mein Immunologe war sehr entspannt 🙂 – Kontrollen alle 3 Monate, später alle 6 Wochen, den Neurologen muss ich nochmal besuchen, ansonsten darf ich mich genauso verhalten wie jede andere Schwangere auch. Der Start in diese Schwangerschaft ist von ärztlicher Seite her viel entspannter, als beim ersten Mal!
Der Lupus ist sehr artig, auch die Schwangerschaftsbeschwerden halten sich in Grenzen (müüüüüüüüüüüüüüüde… Huuuuuuunger….), dafür habe ich alle Infektionen, die hier in Hannover gerade so rumschwirren, mitgenommen. Erst über Weihnachten eine Familienerkältung, an Silvester fing Paul dann mit einem Magen-Darm-Infekt an, den Steffen und ich dann auch noch in voller Schönheit mitgenommen haben und als wir gerade alle wieder halbwegs fit waren, hab ich mir eine fiese Zahnentzündung zugezogen, die mich ein Wochenende bei diversen Notfallzahnärzten gekostet hat. Für die nächste Zeit hab ich erstmal genug!

07.02.06
So, die 12. Woche ist erreicht, der Lupus artig, einzig meine Leberwerte haben kurzfristig ein bisschen gesponnen, waren bei der Kontrolle dann aber wieder im Normbereich. Müde bin ich immer noch und die Appetitanfälle kommen und gehen, die Waage zeigt sich aber sehr gutmütig :). 

22.02.06
Die 15. Woche ist fast erreicht, mir geht es gut, nur habe ich nun schon den 4. Infekt dieses jungen Jahres… *argh*, ich vermute, dass meine Imurek-Dosis in der Schwangerschaft einfach zu hoch ist, die Leukos sind niedrig, die ANA’s für meine Verhältnisse auch, jetzt versuche ich einen Termin in der MHH zu bekommen, was sich dank Streik als schwierig gestaltet. Die ständigen Infekte nerven einfach, man fühlt sich dauernd schlecht, obwohl es mir in den kurzen infektfreien Zeiten wieder sehr gut geht.
Ansonsten gibt es nichts zu berichten, ich vergesse tagsüber meist vor lauter Alltagskram, dass ich schwanger bin, abends macht sich der Krümel dann häufig per Dehnungsschmerzen bemerkbar und mitunter spüre ich ein leises Flattern im Bauch, das ist diesmal wesentlich früher als in der 1. Schwangerschaft.

13.03.06
Die 17. Woche ist erreicht. Nach Rücksprache mit meinem Immunologen darf ich jetzt das Imurek reduzieren, die Werte sind alle stabil und ich hoffe, dass ich damit in den nächsten Wochen meine Infektanfälligkeit in den Griff bekomme… Ansonsten ist alles in Ordnung, der Lupus verhält sich hübsch ruhig – brav! Das komplette Wohlbefinden, wie in der 1. Schwangerschaft will sich allerdings nicht einstellen, aber da hatte ich auch viel mehr Zeit und Muße und ich verbuche es einfach als Normalität beim 2. Kind.
Dem Krümel geht es auch gut, sein Geschlecht mag er aber noch nicht verraten. Die Schwangerschaft bemerke ich im Alltag kaum, allerdings habe ich immer mal wieder richtig heftige Dehnungsschmerzen, das nervt ganz schön.
Mein Gynäkologe ist damit einverstanden, dass ich mich von meiner Hebamme mitbetreuen lasse (trotz Risikoschwangerschaft *blah*) und ich freue mich tierisch, dass ich fast alles so machen darf, wie eine „normale“ Schwangere“.
Nicht ganz lupus-spezifisch, aber trotzdem interessant: mein Neurologe hält ein Einleiten vor Termin bei Myasthenie nicht für notwendig, nur zu lange über Termin soll ich nicht gehen. Jetzt bin ich gespannt, was mir das KH sagen wird (vermutlich das Gegenteil ;)), aber jetzt hab ich wenigstens eine Diskussionsgrundlage *g*.

12.04.06
22.Woche – mehr als die Hälfte ist schon vorbei… Wo ist nur die Zeit geblieben?! Die Infektlage hat sich nach Reduzieren des Imureks deutlich verbessert, bin schon vier Wochen infektfrei… :).
Heute war wieder Ultraschallkontrolle angesagt… und es ist natürlich alles in bester Ordnung. Sollten wir uns nicht sehr getäuscht haben beim Gucken, sieht es nach einem Jungen aus 🙂 – ein kleiner Bruder für Paul!
Das Flattern ist nun zu einem ausgewachsenen Strampeln geworden, dass man auch von aussen deutlich spüren kann. Paul findet das höchst seltsam ;). Der Bauch rundet sich, die Gewichtszunahme hält sich aber in Grenzen.
Die nächste Kontrolle findet bei meiner Hebamme statt – ich freu mich schon darauf.
Mein bisheriges Fazit: die Schwangerschaft verläuft einfach und unkompliziert, aber mit einem Kleinkind ist Schwangersein deutlich anstrengender. Ein bisschen Angst hab ich vor der Zeit nach der Geburt, denn diesmal werde ich nicht wohlerholt in das Abenteuer Kind starten können, sondern eher aus dem Dauerzustand „läuft auf Kraftreserve“… wir werden sehen!

09.05.06
26. Woche – der Bauch wird immer runder :)!
Gestern hatte ich den ersten Hebammentermin, sie wird die Vorsorge jetzt abwechselnd mit dem Gynäkologen machen. Das war sehr viel netter als beim Doc ;). Ein nettes Zimmer, ein liebevoll servierter Tee, ein gemütlicher Klönschnack und ganz nebenbei die erforderlichen Handgriffe zur Überprüfung des Krümels, der sich dann auch gleich sehr lebhaft bemerkbar machte :).
Der Immunologe in der MHH war dann heute leider nicht ganz so zufrieden… Auch wenn sich kein akuter Schub zeigt (hatte ich auch noch nie, da chronischer Verlauf), so sind doch ein paar Sachen auffällig. Die Senkung ist hoch, die Aphten doller, die Haare rieseln, ein paar ZNS-Symptome machen sich auch bemerkbar usw. usf. Naja, meinem Gefühl nach hat das alles nicht viel mit der Schwangerschaft zu tun, als viel mehr mit dem momentanen Stress mit meinem Arbeitgeber.

07.06.06
30. Woche – Zeit für ein paar Neuigkeiten :).
Dem Krümel geht es gut, heute war die 3. und letzte Ultraschallkontrolle, alles drum und dran und der Schniedel war auch nochmal zu sehen ;).
Ab jetzt geht es wieder im 2 Wochen-Takt zur Kontrolle, man merkt: der Endspurt naht… Die Kontrollen lasse ich abwechselnd bei Hebamme und Gynäkologen machen. Der Doc ist eh „schlampig“ im Vergleich zum Aufwand, den meine Ärztin in der 1. Schwangerschaft getrieben hat, aber da es keine Auffälligkeiten gibt, werde ich den fälligen Arztwechsel bis nach der Schwangerschaft verschieben.
Inzwischen habe ich mit Yoga für Schwangere begonnen – das ist echt anstrengend – irgendwie hatte ich mir das relaxter vorgestellt :)… Ich hatte keine Lust „schon wieder“ zur Geburtsvorbereitung zu gehen und wollte trotzdem ein bisschen exklusive Zeit für Krümel und mich haben – das hab ich nun davon, der Kurs zur Geburtsvorbereitung wäre definitiv weniger aktiv gewesen.
Ende des Monats habe ich meinen Termin zur Geburtsplanung in der MHH und werde dann wohl endlich erfahren, ob ich diesmal um die Einleitung herum komme…
Eine immunologische Kontrolle ist auch erst wieder Ende des Monats, also von dieser Seite zur Zeit nichts Neues.
Ansonsten geht es mir ganz gut, wenn man bedenkt, wie stressig die letzten Monate waren und sind. Der Bauch ist schon ziemlich im Weg, ich bin kurzatmig, neige zu Rückenschmerzen usw. usf. Aber der Lupus ist einigermassen artig ;).

14.07.06
Huch, wo ist denn nur die Zeit geblieben…?! Jetzt sind es nur noch 5 Wochen – höchste Zeit Euch auf den neusten Stand zu bringen :)!
Das Wichtigste zuerst: der Lupus ist brav, es gibt ein paar Kleinigkeiten, die mir zeigen, dass er im Hintergrund durchaus aktiv ist, aber keine schlimmen akuten Beschwerden – ich hoffe, das hält noch ein bisschen an.
Ansonsten ist Schwangersein im Hochsommer mit Kleinkind echt kein Vergnügen *ächz* und im Gegensatz zur 1. Schwangerschaft, freue ich mich diesmal uneingeschränkt auf das Ende.
Der Termin zur Geburtsplanung war sehr… sagen wir interessant ;).
Die reine Geburtsplanung wird in der MHH von einer Schwester betreut, die mit meinen Fragen rund um Entbindung und SLE überfordert war. Wir hatten aber Glück und sie trieb uns noch einen Arzt auf, der die Risikogeburtsbesprechung mit uns machte… Sehr forsch erzählte er mir einiges was stimmte, anderes war mir völlig fremd und als er mir schliesslich einreden wollte, dass man bei einer Myasthenie keine PDA bekommen darf, musste ich dann doch einschreiten ;). Er rief dann auch prompt die Chef-Anästhesistin an, um meinen renitenten Widerspruch kompetent widerlegen zu können – vergebens, sie war meiner Meinung *g*. Nach dem Telefonat wandelte sich der distanzierte Doc in einen Gesprächspartner, der mir am Ende unseres Termins versicherte viel gelernt zu haben… ;). Auch mal ein Erlebnis!
Ansonsten wird nicht vor dem Entbindungstermin eingeleitet, wenn der Termin allerdings verstrichen ist, habe ich keine lange Wartezeit mehr – damit kann ich leben ;). Wenigestens sind Krümel die vollen 40. Wochen gegönnt, falls er nicht eher die Koffer packt.
Das Beste ist allerdings, dass ich – wenn alles klappt – stillen können werde :). Ich habe den Tipp von einer Mitpatientin bekommen, die unter Imurek gestillt hat. Es gibt in Berlin eine Beratungsstelle zum Thema Medikation und Schwangerschaft/Stillzeit, welche einen tollen Beratungsserie bietet: Embryotox

Nun bin ich gespannt, wie all diese Planungen dann in der Realität aussehen werden und ob ich jemals die Kinderzimmer fertig bekomme… *g*. Bis zum nächsten Mal!

05.08.06
Mitten in der Nacht – genauer gegen 01.30 h wachte ich auf und die Fruchtblase war geplatzt. Nachdem ich Steffen geweckt, meine Sachen zusammengesucht, Paul angezogen und die Oma alarmiert hatte, die Paul betreuen sollte, sind wir gegen 3.00 h in der MHH angekommen. Das CTG zeigte keine Wehen, so dass ich ein Zimmer bekam und bis zum Morgen auf Wehen warten sollte. Ich konnte noch ein bisserl schlafen, Steffen durchwanderte den Campus ;).
Am Morgen zeigten sich weiterhin keine Wehen und keine nennenswerte Öffnung des Muttermundes, so dass ich Tabletten zum Einleiten der Geburt bekam, da man nach Platzen der Fruchtblase nicht mehr allzu lange warten darf. Der Vormittag verging mit Spazieren über das Unigelände, CTG-Kontrollen und Warten. Als sich am Mittag die Situation noch nicht geändert hatte, bekam ich eine zweite Tablette, die dann auch ab 14.00 h erste Wirkung zeigte – es wehte :).
Wir nahmen unsere Wanderungen wieder auf und bei der CTG-Kontrolle um 15.45 (oder so) hatte ich deutliche Wehen, die das komische Gerät aber nicht aufzeichnete. Nur die letzten 3 oder 4 waren zu sehen, ich teilte das der Hebamme mit, aber irgendwie fand sie das nicht so glaubhaft und schickte mich wieder wandern… Wir kamen bis vor den Kreiss-Saal, dann schlugen die Wehen immer schneller zu und ich wollte nur noch zurück. Also wieder rein, die Hebamme untersuchte mich, der Muttermund war 5 cm geöffnet. Ich versuchte zu erklären, dass es nun schnell ginge, aber irgendwie fand ich kein Gehör. Immerhin bekam ich ein Tramal und ein Buscopan Zäpfchen (warum nicht Smarties?) und durfte in die Wanne. Das war für ein paar Minuten sehr angenehm, doch dann ging es zur Sache und ich wollte nur noch raus und eine Hebamme an meiner Seite… Wir klingelten also die Hebamme herbei, ich zog mir wieder ein Shirt an und musste noch über den Flur huschen, um in den Kreiss-Saal zu kommen. Dort angekommen begannen auch schon die Presswehen, ich schrie nach der Hebamme (warum die immer weg war…? in der Schicht gab es 2 Hebammen und 6 Geburten… – gut, dass ich keine Erstgebärende war ;)), die kam dann auch und ein paar Wehen weiter, war Mika geboren.
Es war eine schöne und schnelle Geburt, angenehmer begleitet als bei Paul (trotz verschwindener Hebamme *g*) und das beste an allem ist, dass alles ganz normal verlief!
Die Geburt wurde begleitet wie bei jeder anderen (gesunden) Schwangeren auch. Ich durfte Mika behalten (Paul wurde ja nach einer halben Stunde zur Überwachung in die Kinderabteilung verlegt), wir haben lange gekuschelt bevor ich aufs Zimmer kam, ich stille (JA!) und Mika ist quietschgesund.

sweety
Wie man den Alltag mit zwei Kleinkindern als Lupi bewältigt, werde ich berichten, wenn ich es herausgefunden habe ;)!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: