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Aktualisierung am 13.08.10
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Lupus
und Schwangerschaft Auch
wenn bis vor ein paar Jahren die Diagnose SLE eine Schwangerschaft quasi ausschloss,
so ist es heute kein (grosses) Problem mehr, trotz Lupus ein Kind zu bekommen. Entgegen
allen Vorurteilen: - Lupis
haben meist normale Schwangerschaften
- der
Lupus wird durch eine Schwangerschaft nicht zwangsläufig aktiviert
- die
meisten Kinder kommen gesund zur Welt
Natürlich
gibt es ein paar Dinge, die zu beachten sind: Allgemeines:
In diesem Beitrag
geht es nur um SLE bzw. Mischkollagenosen mit hohem SLE-Anteil, bei z. B. APS
gibt es andere Dinge zu beachten, falls Ihr APS
habt, schaut bitte zusätzlich hier
nach! Ein Lupi sollte seine Schwangerschaft im Idealfall planen und dann einen
Zeitraum wählen, zu dem der Wolf sich ruhig verhält und man mit möglichst
wenigen Medikamenten auskommt. Bei Lupis mit SSA-AK und SSB-AK besteht die
Gefahr, dass es beim Kind zu Störungen am Herzen (Reizleitungssystem) kommt,
deshalb sollten diese AK zu Beginn der Schwangerschaft oder besser zuvor kontrolliert
werden, man kann ggf. schon in der Schwangerschaft das Baby medikamentös
behandeln. SLE ist keine Erbkrankheit! Die meisten Babys von Lupis kommen
gesund zur Welt, wenn auch häufig ein wenig früher und etwas leichter
als ein Durchschnittsbaby. Mitunter zeigen die Babys bei der Geburt Haut- oder
Blutbildveränderungen, das kommt durch die von der Mutter übertragenen
Antikörper. Diese Veränderungen sind nach spätestens 6 Monaten
verschwunden. Es gibt einige Studien, die von einem erhöhten Fehlgeburtsrisiko
bei SLE-Patientinnen sprechen und zwar während der gesamten Schwangerschaft
und nicht nur, wie bei gesunden Müttern, im ersten Schwangerschaftsdrittel.
In anderen Studien konnte das nicht nachgewiesen werden und ehrlich gesagt, weiss
ich nicht, was nun richtig ist :/. An manchen Stellen wird von einem Fehlgeburtsrisiko
gesprochen, dass sich mit der Aktivität des SLE erhöht. Zu diesem Thema
scheint es noch keine eindeutigen Ergebnisse zu geben, also sollte man sich einfach
nicht verrückt machen lassen. Medikamente:
Grundsätzliches: Nur wenige Medikamente müssen vor der SS abgesetzt
werden. Mehrere Entzündungshemmer und Basistherapeutika können
- falls nötig - während der SS eingesetzt werden. Es
gestaltet sich sehr schwierig genaue Informationen zu den einzelnen Medikamentengruppen
zu bekommen und natürlich gibt es nicht viele Erfahrungen. Es gibt eben nicht
sooo viele Lupis, die dann auch noch Kinder bekommen haben und gleichzeitig eine
Therapie einnahmen. Und natürlich kann man in so einem Bereich keine grossen
Studien betreiben, denn welche gesunde Schwangere möchte Medikamente einnehmen
um zu sehen, was mit dem Kind passiert?! Aus diesen Gründen stammen viele
Informationen aus Tierversuchen, derer Ergebnisse sich aber eben nicht 1:1 auf
den Menschen übertragen lassen. So wurde bei Mäusen unter Azathioprin
eine erhöhte Fehlbildungsrate festgestellt, beim Menschen, wo das Medikament
bei transplantierten Patientinnen mit Kinderwunsch eingesetzt wird, haben sich
diese Ergebnisse in keinster Weise bestätigt. Ich kann Euch nur empfehlen,
lasst Euch nicht zu verrückt machen, man soll vorsichtig sein, aber sich
auch auf neuere Ergebnisse einlassen. Im Zweifel vertraue ich auf das, was mir
Ärzte sagen, die sich aktuell mit dem Thema befassen und nicht Ärzten,
die mir ihr Studiumswissen von 1969 als neusten Schrei verkaufen. Natürlich
sollten in jeder Schwangerschaft so wenig Medikamente wie möglich genommen
werden, im Idealfall gar keine. Das lässt sich aber nicht bei jedem Lupi
verwirklichen und letztendlich ist die Stabilität der Erkrankung während
der Schwangerschaft wichtiger. NSAR: erhöhen die Blutungsneigung
und haben eine wehenhemmende Wirkung, sollten in der Schwangerschaft so gering
wie möglich dosiert werden und in den letzten 8 Wochen vor dem Entbindungstermin
abgesetzt werden Cortison: wird in der Schwangerschaft bevorzugt gegeben,
wenn eine Medikation nötig ist und das zuvor verwendete Medikament (z. B.
MTX) nicht genommen werden darf. Die einzelnen Cortisone unterscheiden sich in
der Wirkweise, so dass einige (nicht plazentagängige), wie z. B. Prednisolon
bevorzugt verabreicht werden. Zu Cortison in der Schwangerschaft gibt es eine
Studie, aus der hervorgeht, dass es keine schwerwiegenden Nebenwirkungen für
das Kind gab und es SEHR selten zu einem Infekt des Neugeborenen (wg. der verminderten
Abwehr) bzw. zu grauem Star des Kindes kam. Antimalariamittel: wird
vom Baby nicht verstoffwechselt und kann daher in der Schwangerschaft gegeben
werden. Azathioprin: wird zwar über die Plazenta an das Kind
weitergegeben, wirkt aber nur über den Leberstoffwechsel und ist somit für
das Kind nicht wirksam. Auch bei Azathioprin gab es eine Studie, die keinerlei
Missbildungsrisiko oder erhöhtes Krebsrisiko für das Kind nachwies.
Cyclosporin: Nach einer Studie bei nierentransplantierten Patientinnen,
die sehr häufig dieses Medikament nehmen müssen, sind alle Schwangerschaften
erfolgreich verlaufen, die Neugeborenen wiesen allerdings gehäuft ein Untergewicht
bei der Geburt auf. Cyclophosphamid: hier gibt es kaum Erfahrungen,
bei Patientinnen, die unter Endoxantherapie schwanger wurden kam es bei ca. 50
% der Kindern zu Missbildungen in der Frühschwangerschaft. Eine Schwangerschaft,
die unter Endoxan entstand ist eine Indikation für einen Abruch, eine zuverlässige
Verhütungsmethode ist daher unter der Therapie zwingend notwendig. Methotrexat:
ist plazentagängig und führte im Tierversuch zu Missbildungen und
Fehlgeburten. Erfahrungen mit Schwangerschaften unter MTX gibt es fast ausschliesslich
aus der Krebstherapie, wo MTX wesentlich höher dosiert eingesetzt wird. Dort
kam es bei 3 vom 8 Schwangerschaften zu Missbildungen. Auch bei einer MTX-Therapie
ist eine konsequente Verhütung unumgänglich, das gilt übrigens
auch für Männer unter MTX-Therapie. Interessante Infos zum Thema
Schwangerschaft und Medis erhält man auch beim "Googlen" nach Begriffen
wie Immunsuppression und Schwangerschaft oder Nierentransplantation und Schwangerschaft,
usw. So wird z. B. in Artikeln zum Thema Nierentransplantation und Schwangerschaft
die Immunsuppression mit Azathioprin deutlich empfohlen... Entbindung:
Es gibt keine besonderen Entbindungsregeln für Lupis. Denoch sind wir Risikoschwangere
und sollten uns daher für eine Entbindung in einem Krankenhaus entscheiden,
in dem wir auch schon einmal vor der Entbindung untersucht wurden und die individuellen
Beschwerden und Bedürfnisse besprochen wurden. Ausserdem würde ich stets
ein Krankenhaus wählen, das über eine eigene Kinderstation verfügt,
so dass wir, falls das Baby stationär behandelt werden muss, zumindest im
gleichen Haus sind.
Verlaufskontrollen: Während
der Schwangerschaft sollten die Verlaufskontrollen des SLE und auch die Laborkontrollen
etwas engmaschiger sein, um jede Veränderung des Lupus sofort zu bemerken
und ggf. eingreifen zu können.
Sucht Euch
einen Arzt und einen Gynäkologen, die gut zusammenarbeiten oder zumindest
bereit dazu sind! Nicht jeder Arzt, des Lupis betreut, hat Erfahrungen mit schwangeren
Lupis und nicht jeder Frauenarzt hat schon mal einen Lupi gesehen, da ist eine
Kooperation unverzichtbar.
Kontrolliert werden sollten: vor
der Schwangerschaft oder zumindest zu Beginn:
Anti-APS,
Anti-SSA und Anti-SSB
monatlich:
Blutbild inkl. Thrombo, Harnstoff, Kreatinin, Leberwerte, Urin, ANA, Anti-DNS
und Komplement C3 und C4.
Stillen:
Beim Stillen
müssen einige Medikamente nicht abgesetzt werden und einige Medikamente können
eingesetzt werden. Hier gelten wieder andere Regeln als in der Schwangerschaft,
denn es gibt Medikamente, die in der Schwangerschaft nicht schaden, weil sie nicht
plazentagängig sind, bzw. von Kind nicht verstoffwechselt werden, die aber
durchaus in die Muttermilch übergehen. Dies sollte jedoch mit dem behandelnden
Arzt abgesprochen werden. Anlaufstellen:
In der
Heinrich-Heine-Universität
in Düsseldorf gibt es eine gemeinsame Sprechstunde der Kollagenoseambulanz
und der Frauenklinik l Termin:
jeweils Dienstag zwischen 11 und 14 Uhr Ort: Kollagenosesprechstunde, MNR-Klinik
(Erdgeschoß) (je nach Bedarf in der Frauenklinik) Anmeldung:
Tel.: (0211) 81-18421 zu
dem Termin bitte mitbringen: wenn vorhanden: Unterlagen über Voruntersuchungen,
Laborbefunde, Überweisungsschein,
Mutterpass Ausserdem
gibt es in der Schweiz ein Zentrum
für Mütterberatung und Familienplanung bei Rheuma-Erkrankungen.
Dort wird einem, auch per Mail, sehr schnell und kompetent weitergeholfen. In
Berlin gibt es eine medizinische Beratungsstelle zu allen Fragen rund um Medikamente
in der Schwangerschaft und Stillzeit, welche auch Mailanfragen beantwortet: www.bbges.de ^nach
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